Sport : Der Weg nach Osten

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André Görke über das neue Koordinatensystem von Hansa Rostock

Armin Veh, der Trainer des FC Hansa Rostock, sagt: „Wir haben keine Zauberer.“ Und: „Bei unserem Etat ist es kein Wunder, dass wir unten drinstehen.“

Es war spät geworden am Samstagabend, als Veh diesen Kommentar abgab. Das Spiel gegen Energie Cottbus lag gerade eine Viertelstunde zurück, 0:0 hieß es am Ende. Das Spiel war schwach, sehr schwach. Der SportInformationsdienst schrieb ein wenig hämisch von „einer eindrucksvollen Bewerbung für den Abstieg“ – von beiden Klubs.

Für Energie Cottbus sind Sätze wie dieser nichts Neues. Für Hansa Rostock schon. Die Mannschaft hatte in den ersten Wochen der Saison wunderschönen Fußball gespielt. Nach sechs Spieltagen lagen die Rostocker auf dem zweiten Tabellenplatz und waren auf dem besten Wege, sich ein schönes Image zu erarbeiten – eines, das der Klub nie hatte. Hansa war modern, ein Klub mit guter Jugendarbeit und einem schönem Fußballstadion. Sogar in Skandinavien war Hansa ein Gesprächsthema – wegen der sechs Schweden im Team. Plattenbauten und Arbeitslosigkeit und all die anderen vermeintlich typischen Ost-Probleme schienen unendlich weit weg zu sein. Hansa war der nette Klub aus dem Norden. Damals, als die Bayern so nah waren.

Nicht einmal ein halbes Jahr später hat sich die Situation grundlegend geändert. Heute ist Cottbus in Sicht, das Tabellenende. Vom guten Fußball der ersten Wochen ist nicht viel geblieben. In Rostock wird gearbeitet, gegrätscht, gerannt. Mit derartigen Tugenden hält Energie Cottbus seit drei Jahren die Liga – und gilt genau deshalb als typischer Ostklub. Und Hansa? Es ist an der Zeit, die Dinge zu relativieren. Nie lag Rostock so weit im Osten wie heute.

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