Sport : Der Weg zum Triumph als Hürdenlauf

ERNST PODESWA

BERLIN ."Die Gemeinsamkeit besteht vor allem darin, daß unsere beiden Mütter sportlich erfolgreicher waren als wir.Ansonsten sind wir gänzlich verschieden." Falk Balzer muß nicht lange überlegen, wenn die Frage nach den Genen kommt.Der 25jährige Chemnitzer weiß, daß er ein Großteil seines Talents mütterlicherseits vererbt bekam.Karin Balzer war 1964 in Tokio Olympiasiegerin über 80 m Hürden, sie war Europameisterin, trug sich über 80 m und dann über die 100 m Hürden in die Weltrekordlisten ein und beendete ihre Karriere 1972 bei den Olympischen Spielen in München mit der Bronzemedaille.Dort stieg Heide Rosendahl-Ecker unter ihrem Mädchennamen nach ihren Goldleistungen im Weitsprung und in der 4x100-m-Staffel zum bundesdeutschen Leichtathletik-Idol auf.

Ihr sportlicher Filius Danny Ecker (21/Bayer Leverkusen) und Hürdensprinter Falk Balzer (TuS Jena) - beide EM-Zweite im Vorjahr in Budapest - zählen bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Maebashi/Japan zu den erklärten Medaillenhoffnungen der deutschen Leichtathletik.Zwei wunderbare Beispiele für die alte Volksweisheit, wonach der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.

Verschieden wie die Wege der beiden Jungstars - der eine im Talentesystem des DDR-Sports in Chemnitz schon früh zielgerichtet auf den Hürdenwald gelenkt, der andere als Bewegungstalent in Leverkusen zwischen Basketball, Leichtathletik und anderen Sportarten schwankend - sind sie auch von ihrer Mentalität her.Ecker, dessen US-Vater einst beim Pharma-Großverein auf Korbjagd ging, ist mit seinem halblangen Haarschopf der Typus Liebling einer jeden Schwiegermutter.Daß er mal seiner Mama ernsthaft Krach hätte - kaum vorstellbar.

Karin Balzer aber hat all diese Dinge, wenn Heranwachsende gegen elterliches Diktat rebellieren und ihre eigene Persönlichkeit suchen, zur Genüge kennengelernt.Verstärkt sogar, weil sie neben ihrem Mann Karl-Heinz, einst Stabhochspringer und ihr Trainer, auch sportlich als Trainerin die wichtigste Bezugsperson ist.Von Grün über Lila bis Gold - die Farbtöne seiner Stoppelhaare haben bei Falk Balzer nahezu jede Woche gewechselt.Mal ergänzt durch fingerlose Handschuhe bei Hallenstarts oder ein Schweißbändchen an Handgelenk.Ein grellgefärbtes Rothaar bevorzugt seine Freundin Kathleen Friedrich, eine der besten deutschen 800-m-Läuferinnen.Ein Pärchen, ein bißchen wie Roadman und Roadwoman.

"Na klar, es ging auch lautstark im Training zu.Aber das gehört dazu, wenn ich nun mal das Temperament von meiner Mutter habe.Doch zuhause, beim Abendbrot war dann alles vergessen", bestätigte der BWL-Fernstudent Dispute der Vergangenheit."Aber es drehte sich ja immer um die Sache, wie ich am besten den Anschluß an die Weltspitze finde." Mittlerweile hat sich alles beruhigt.Weil der Erfolg beweist, daß "daß meine Eltern mich richtig beraten." Und der Sohn seine eigene Wohnung bezogen hat.

Der Durchbruch gelang wohl im Vorjahr, als er den nationalen Vorläufer und WM-Dritten Florian Schwarthoff bei den Titelkämpfen im Jahn-Sportpark niederrang.Es folgte das Europachampionat, bei dem er lediglich dem Weltrekordler Colin Jackson den Vortritt ließ und beim Weltcupfinale gar Erster wurde.Balzers Laufstil wirkt im Unterschied zu Jackson eher ruppig und kämpferisch.Aber er war schon im Vorjahr "unterwegs" zwischen den Hürden nicht langsamer als der Brite oder Olympiasieger und Weltmeister Allen Johnson (USA).Zu beiden hat der Sachse ein ausgemacht gutes Verhältnis."He, Jungens, darf ich mit Euch ein paar Starts üben", ging er 1997 bei den Weltmeisterschaften in Athen auf die von ihm bewunderten und respektierten Asse zu.Und scheute sich nicht, die Amerikaner wegen der besseren Verständigung zu bitten, "sauberes" Englisch mit ihm zu sprechen.Das habe er in der Schule oder bei Filmen in Originalsprache nicht gelernt.

Ob er sich jetzt reif für den ganz großen Triumph fühlt? -"Ich habe mich am Start verbessert und bin bestens in Schuß.Doch ob das reicht? Es ist ein Wettkampf und, Sie wissen, da stehen viele Hürden im Weg."

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