Der Weggang von Adrian Ramos trifft Hertha empfindlich : Was wird jetzt aus Hertha BSC?

Adrian Ramos war in dieser Saison an fast zwei Dritteln aller Tore von Hertha BSC beteiligt. Das wirft die Frage auf, wie der Verein den Weggang des Kolumbianers in der neuen Saison kompensieren will. Geld allein ist nicht alles. Eine Analyse.

von
Ramos freut sich - und Hertha? Foto: dpa
Ramos freut sich - und Hertha?Foto: dpa

Vom Ende her betrachtet sieht es so aus, als habe Adrian Ramos alles richtig gemacht. Wie ein richtiger Stürmer eben: nicht zu früh den Abschluss suchen, sondern genau den richtigen Moment abpassen. Ramos hätte Hertha BSC schon viel früher verlassen können - 2010 zur TSG Hoffenheim, zwei Jahre später zum FSV Mainz 05. Er ist geblieben und darf zum Lohn für seine Geduld nun in der kommenden Saison für Borussia Dortmund spielen: Champions League statt Bundesliga-Mittelmaß. Ganz richtig ist das natürlich nicht. Die Wechsel nach Hoffenheim und Mainz sind nicht an Ramos' Widerwillen gescheitert, sondern am Veto seines Arbeitgebers Hertha BSC, der den Stürmer nicht unter Wert veräußern wollte.

Ramos spielt die Saison seines Lebens

Dass der Verein dem Dortmunder Werben nun nicht mehr widerstehen konnte, hat weniger mit der stattlichen Ablöse (rund zehn Million Euro brutto) zu tun als mit der Gesamtkonstellation: Ramos spielt die Saison seines Lebens, er ist damit auch für die ganz großen Klubs interessant (und entsprechend teuer) geworden - vor allem aber läuft sein Vertrag in Berlin nur noch ein Jahr. Hertha sah sich also vor die Alternative gestellt, in diesem Sommer durch einen Transfer noch einen nennenswerten finanziellen Erlös zu erzielen, dafür den vielleicht wichtigsten Spieler des gesamten Kaders zu verlieren; oder den Kolumbianer zum Bleiben zu zwingen, eine weitere Saison von seinen Toren zu profitieren - auf die Gefahr hin, ihn im kommenden Jahr ablösefrei ziehen lassen zu müssen. Es gibt für den Manager eines Fußballvereins sicher leichtere Entscheidungen.

Eine gewisse Dankbarkeit mag bei Herthas Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Insgesamt stand Ramos fünf Jahre bei den Berlinern unter Vertrag, zwei davon hat er mit dem Klub in der Zweiten Liga verbracht - was keineswegs selbstverständlich ist. Trotzdem: Der Verlust für Hertha BSC ist deutlich größer als der Gewinn für die Dortmunder. Unter den Fans des BVB hat Ramos' Verpflichtung nicht gerade Stürme der Begeisterung ausgelöst. Als gleichwertiger Ersatz für Robert Lewandowski wird der 28-Jährige jedenfalls nicht gesehen. In Herthas Anhängerschaft hingegen ist ein gewisses Wehklagen zu vernehmen. Und das völlig zu Recht.

Dass Herthas Mannschaft als Aufsteiger mehr oder weniger unfallfrei durch die Saison gekommen ist, hat sie vor allem ihrem besten Stürmer zu verdanken. Ramos hat bisher sechzehn Tore erzielt, dazu sieben vorbereitet, war damit also an fast zwei Dritteln aller Berliner Treffer beteiligt. Das wirft die Frage auf: Was soll eigentlich in der nächsten Saison aus Hertha werden, wenn nicht nur die Aufstiegseuphorie endgültig weg ist, sondern auch der einzig verlässliche Torschütze? Trainer Jos Luhukay selbst war es, der zuletzt immer wieder auf die gefährliche Abhängigkeit seiner Mannschaft von Adrian Ramos hingewiesen hat.

Vielleicht kommt Pierre-Michel Lasogga nach Berlin zurück, der sich als Leihspieler beim HSV prächtig entwickelt und vor allem seine Torgefahr nachgewiesen hat. Doch zum einen ist Lasogga ein ganz anderer Stürmertyp als Adrian Ramos, auf den Luhukay sein System nur ungern ausrichten würde; zum anderen ist Lasoggas Körper durch die Art seines Spiels einem hohen Verschleiß ausgesetzt. Die Pausen zwischen seinen Verletzungen scheinen immer kürzer zu werden. In dieser Woche hat er gerade einen Tag mit der Mannschaft trainieren können, dann musste er wegen Schmerzen im Oberschenkel erneut pausieren. Am Wochenende fällt er vermutlich schon wieder aus.

Ein Teil der Ablösesumme steht wohl Herthas geheimem Investor zu

Dass Hertha in diesem Sommer durch die Ablöse für Ramos vergleichsweise viel Geld zur Verfügung hat, ist erst einmal beruhigend - heißt aber noch gar nichts. Das Geld (von dem auch Herthas geheimem Investor wohl noch ein schöner Batzen zusteht) wird nicht reichen, um Ramos eins zu eins zu ersetzen. Und selbst wenn Hertha einen Stürmer seiner Qualität bezahlen könnte - er würde ganz sicher nicht zu einem Verein wie Hertha BSC wechseln. Stürmer dieser Klasse gehen zu Borussia Dortmund.

16 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben