Sport : Der weite Weg bis Brasilien

Klaus Rocca

Marcelo dos Santos, bekannt unter seinem Künstlernamen Marcelinho, blickte beim Training mürrisch drein. Das fiel auf, denn normalerweise verbreitet der Brasilianer gute Laune. Die scheint Marcelinho vergangen zu sein. Grund: Seine Chancen, bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft dabei zu sein, sind nur noch minimal.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Offenbar hat es sich nicht bis zu Luiz Felipe Scolari herumgesprochen, dass Marcelinho mit zwölf Treffern nicht nur erfolgreichster Torschütze von Hertha BSC ist, sondern auch immer wieder für die spielerischen Highlights des Bundesligisten sorgt. Brasiliens Nationaltrainer ignorierte jedenfalls Marcelinho, als er sein Aufgebot für das WM-Testspiel am 27. März gegen Jugoslawien bekannt gab. Was noch nicht so schlimm wäre, wenn Scolari dies nicht so kommentiert hätte: "85 bis 90 Prozent dieses Kaders werden zur WM fahren. Ich kann nicht auf hundert Prozent gehen, weil sich der eine oder andere noch verletzen kann." Dass es Elber, Amoroso und Ewerthon ähnlich geht, dürfte für den Herthaner kaum ein Trost sein.

Unverständnis herrscht auch bei Dieter Hoeneß, Herthas Manager: "Ich kenne zwar die Gründe für Scolaris Entscheidung nicht, aber überrascht hat sie mich schon. Marcelinho spielt bei uns meist auf höchstem Niveau, und die vielen Tore sprechen schließlich auch für ihn." Seine Enttäuschung ist besonders groß, weil er für sich geltend macht, viel für die Nationalmanschafts-Karriere Marcelinhos getan zu haben. Als Scolari im August vorigen Jahres mehrere in Europa spielende Brasilianer kurzfristig für das Freundschaftsspiel gegen Panama anforderte, winkten Klubs wie Bayern München und Bayer Leverkusen ab. Sie konnten sich dabei auch auf die Fifa berufen, die dem brasilianischen Verband kundtat, er könne keine Freigabe verlangen. Hoeneß erteilte Marcelinho dennoch - unter dessen Verzicht auf das Spiel in Freiburg - die Freigabe, weil er Marcelinhos Nationalmannschafts-Debüt nicht im Wege stehen wollte. Marcelinho spielte gegen Panama und schoss Tage später beim WM-Qualifikationsspiel gegen Paraguay sein erstes Tor. Ein guter Start zu einer großen Karriere im Nationaltrikot, dachte man. Offenbar ein Irrtum.

Alex Alves ist für Scolari verständlicherweise kein Thema. Alves fällt möglicherweise wegen einer Sprunggelenksverletzung auch für Herthas Spiel am Sonnabend in Bremen aus.

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