Sport : Der Weltmannstar

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Anderswo mag er ein ehemaliger Weltstar sein, oder ein alternder. Für Schalke 04 ist der 34 Jahre alte Raúl ein Segen, ebenso für die Bundesliga. Gar nicht einmal wegen seiner 13 Tore in der Vorsaison oder seines traumhaften Hebers gegen Köln am vergangenen Spieltag oder der zwei Torvorlagen nun gegen Mainz. Sondern wegen seiner Ausstrahlung, auf und neben dem Platz. Wenn von Raúl die Rede ist, fallen schnell die Attribute höflich und bescheiden, fast schon ehrfürchtig wird er in Gelsenkirchen „Señor“ genannt. Oft wird gar vom Weltmann Raúl gesprochen. Diesen Status zu erlangen, ist im Fußballgeschäft wohl einfacher als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Doch kein Fußballer hat ihn so verdient wie Raúl.

Sicher ist es schwierig für Schalkes Trainer Ralf Rangnick, wenn er einen Spieler in der Mannschaft hat, der nicht so recht zu seinem Spielsystem passt. Raúl ist kein Fußballer, dessen Ruf auf defensiver Laufarbeit gründet – und mit zehn Mann, die so spielen wie sie sollen, kann man heutzutage nicht vorne in der Tabelle landen. Entsprechend zwiespältig wird der sportliche Wert des Spaniers von einigen in Gelsenkirchen gesehen. Trotzdem können sich die Schalker freuen, dass Raúl seinen Vertrag erfüllen und noch eine Saison bleiben will.

Er hat wohl keinen anderen Klub gefunden, der ihm ein solches Umfeld wie Schalke mit seinen Fans bieten kann. Er wird, etwas anderes ist von ihm nicht zu erwarten, um seinen Platz kämpfen und dabei ein besseres Bild abgeben als andere. Aber noch mehr profitiert der Klub. Die Schalker sind international nicht bekannt, weil sie ins Halbfinale der Champions League eingezogen sind. Sondern weil jeden Spieltag Raúl für sie aufläuft.

Vor einem Jahr hat der damalige Trainer Felix Magath Raúl zu Schalke geholt und angekündigt, um ihn herum ein Team aufzubauen, mit dem man Meister werden kann. Daraus ist nichts geworden. Geblieben ist den Schalkern davon nur Raúl.

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