Sport : Der Wert der großen Bühne

von

Juristisch war die Entscheidung zweifellos richtig: Niemand darf für ein Vergehen doppelt bestraft werden, das gilt auch für dopende Sportler. Insofern konnte der Internationale Sportgerichtshof Cas gestern nicht anders entscheiden, als die Osaka-Regel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu kippen. Andererseits schwächt der Cas mit seinem Urteil den Kampf gegen Doping: Die Regel sollte die Sonderrolle der Olympischen Spiele betonen und überführte Athleten von der wichtigsten Bühne des Sports aussperren. Durch das Urteil wird Olympia aus Doping-Sicht nun zu einem Wettkampf unter vielen, von einem besonderem Wert sauberer Spiele kann keine Rede mehr sein.

Die Osaka-Regel besagte, dass ein Athlet, der länger als sechs Monate wegen Dopings gesperrt war, bei den nächsten Olympischen Spielen nach Ablauf der Sperre nicht teilnehmen darf. Der Cas sah darin eine Doppelbestrafung. Auch im Sport verdient jeder eine zweite Chance – das war aber auch vor dem Urteil gewährleistet. Wer mit 19 Jahren erwischt wurde, verpasste vielleicht mit 24 die nächsten Spiele, ganz von einer olympischen Karriere verabschieden musste er sich aber nicht. Jetzt können sich aber auch Olympia-erfahrene Doper wie Radprofi Alejandro Valverde oder Sprinter Justin Gatlin auf London 2012 freuen. Auch im immer bizarrer werdenden Sonderfall Claudia Pechstein gibt es die nächste Wende: Die Eisschnellläuferin darf plötzlich auf einen Start in Sotschi 2014 hoffen.

Das Internationale Olympische Komitee will jetzt in der nächsten Fassung des Welt-Antidopingcodes wieder längere Strafen festschreiben. Dabei muss das IOC darauf beharren, überführte Sportler von den jeweils nächsten Spielen auszuschließen – sonst geht die besondere Bedeutung Olympias verloren.

Seite 23

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben