Sport : Der Wille zählt

Trotz einer misslichen Vorbereitung holt Martina Glagow Bronze bei der Biathlon-WM

Helen Ruwald[Antholz]

Zehn Tage hatte Martina Glagow im Januar mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett gelegen und Antibiotika geschluckt. Die Weltcups in Ruhpolding und Pokljuka musste sie ausfallen lassen. Vor der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz bestritt sie vier Wochen lang kein Rennen. Schon 2005, bei der WM in Hochfilzen, hatte sie krankheitsbedingt gefehlt. Sollte sich die Leidensgeschichte wiederholen? Sie habe gezweifelt, ob sie rechtzeitig fit werden würde, sagte die Mittenwalderin. Sie war fit. Fit genug jedenfalls, um sich gestern bei den Titelkämpfen in Antholz über 15 Kilometer die Bronzemedaille zu holen.

Die zwei Wochen vor dem WM-Start seien „eine Willensschulung gewesen“, weil der Körper die Anstrengung noch nicht wieder gewohnt war. „Dass es so gut laufen würde, hätte ich nicht gedacht“, sagte Martina Glagow, nachdem sie hinter der überragenden Norwegerin Linda Grubben und der Französin Florence Baverel-Robert ins Ziel gekommen war.

Am Sonntag im Verfolgungswettkampf war Martina Glagow das zweitschnellste Rennen gelaufen und von Rang 36 im Sprint noch auf den elften Platz gestürmt. Gestern leistete sich die Olympia-Zweite von Turin zwar gleich beim ersten Schießen einen Fehlschuss, behielt danach aber die Nerven. Beim letzten Stehendschießen setzte sie nach dem dritten Treffer noch einmal ab, zögerte, setzte neu an – und traf. „Ich musste um jeden Schuss kämpfen“, sagte sie. „Ich wollte schon abdrücken, dann hat sich mein Körper bewegt, und ich habe nicht mehr auf die Scheibe geschaut. Hätte ich nicht abgesetzt, hätte ich nicht getroffen.“ Tora Berger aus Norwegen lag danach zwar noch zwei Sekunden vor der 27 Jahre alten Deutschen, doch Glagow wusste genau, wieviel sie aufholen musste, und war am Ende neun Sekunden schneller als Berger.

Nach dem Rennen lagen sich Martina Glagow und ihre Freundin Andrea Henkel in der Kabine heulend in den Armen – vor Freude. Vor dem Start hatten sie noch scherzhaft gesagt, dass sie am Ende gemeinsam auf dem Podest stehen würden. Ganz reichte es dazu nicht, doch auch Andrea Henkel überzeugte. Sie lief die zweitschnellste Zeit, machte aber drei Schießfehler und kam damit auf den sechsten Rang. Mit einer Strafminute weniger hätte sie anstelle von Glagow Bronze gewonnen. Auch Henkel hatte im Januar pausiert: wegen einer Bronchitis. Zuvor führte die Thüringerin noch im Gesamtweltcup.

Henkel weiß, wie es ist, wenn man nach einer schweren Zeit aufs Podium läuft. 2005 reiste sie als Nachrückerin für die kranke Glagow nach Hochfilzen und gewann völlig überraschend Gold. „Damals war ich Außenseiterin und hatte nichts zu verlieren. Diesmal ist das nicht so“, hatte Henkel am Dienstag gesagt. Dass ihr in Südtirol die Lockerheit von Tirol fehlte, machte sich dann gestern am Schießstand bemerkbar. Zumindest war sie wieder gesund, doch dafür erwischte es Kati Wilhelm. Sie gab nach dem zweiten Schießen und neun von zehn Treffern mit Magenproblemen auf. „Ich konnte beim Schießen nicht mehr richtig schnaufen“, sagte sie, „das hatte keinen Sinn.“

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