Sport : Der Wind entscheidet

Wut auf die Jury bei den Nordischen Kombinierern

325438_3_xio-fcmsimage-20100226235448-006005-4b8851388643e.heprodimagesfotos85120100227mdf98730.jpg X00446
X00446

Whistler - In seiner ersten Wut und Enttäuschung über die umstrittene letzte Olympia-Entscheidung in der Nordischen Kombination sprach Bundestrainer Hermann Weinbuch der Jury die Kompetenz ab. Später war er immer noch verärgert über einen Sprung-Wettbewerb, der so nie hätte stattfinden dürfen. Dennoch gab er zu, dass „wir auch so nicht hätten mithalten können. Es gab körperliche und materialtechnische Defizite“. Das selbst gesteckte Ziel, zwei Medaillen, hatten die Deutschen nicht erreicht. Erstmals seit 1998 errangen sie keine Einzelmedaille. Was blieb, ist Bronze im Team-Wettbewerb.

Die Diskussion entzündete sich an dem Springen von der Großschanze. „Es waren irreguläre Bedingungen. Alle Trainer haben sich dafür eingesetzt, dass der Wettkampf verschoben wird. Aber man hat nicht auf uns gehört. Die Jury weiß alles besser“, schimpfte Weinbuch. Nach dem Sieg von Bill Demong (USA) äußerten auch die Sportler völliges Unverständnis. „Der Unterschied zwischen der Jury und dem Athleten ist der, dass sich der Athlet vier Jahre vorbereitet“, sagte Felix Gottwald aus Österreich. Tino Edelmann fügte hinzu: „Ehe ich mich in Rage rede, gehe ich lieber.“ Björn Kircheisen, als 20. bester Deutscher, stellte resigniert fest, „dass wir als Sportler das fünfte Rad sind“. Der Windkorridor, der von 1,5 Meter pro Sekunde Aufwind bis 1,5 m/s Rückenwind festgelegt worden war, ließ Weitenunterschiede von 30 Meter zu. „Warum in aller Welt konnte unser Wettkampf nicht verlegt werden? Bei den Alpinen geht es nach Belieben. In Calgary 1988 wurde unser Wettkampf sechsmal verlegt. Die Nordische Kombination hat eben keine Lobby“, sagte Weinbuch.

Doch er beließ es nicht allein bei der Kritik an den Bedingungen. „Die Mannschaft ist nicht in Topform an den Start gegangen. Nur Eric Frenzel wäre in der Lage gewesen, ganz vorn dabei zu sein.“ Sowohl Edelmann als auch Kircheisen seien nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen, läuferische Defizite seien aufgetreten. „Wir werden vor der neuen Saison eine höhere Belastung suchen“, kündigte Weinbuch an. „Bislang hatten wir uns mit der Intensität eher nach den älteren Athleten im Team gerichtet, das werden wir ändern.“dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben