Sport : Der Wirkungstreffer

Bayer Leverkusen siegt 1:0 in Dortmund und etabliert sich als schärfster Verfolger des FC Bayern.

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Südkoreanisches Siegtor. Heung Min Son trifft für Leverkusen, Manuel Friedrich (l.) und Sokratis strecken sich vergeblich.
Südkoreanisches Siegtor. Heung Min Son trifft für Leverkusen, Manuel Friedrich (l.) und Sokratis strecken sich vergeblich.Foto: AFP

Nach dem Schlusspfiff war Stefan Kießling die Kälte egal. Leverkusens Angreifer entledigte sich seines Trikots und warf es in die Menge der Gästefans. Kießling war beim Spitzenspiel bei Borussia Dortmund zwar ohne Torerfolg geblieben, durfte sich aber dennoch als Gewinner fühlen. Die Rheinländer gewannen vor 80 645 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Stadion das Duell der Bayern-Verfolger durch ein Tor von Heung Min Son mit 1:0 (1:0) und festigten ihren zweiten Tabellenplatz. Leverkusen scheint die Kräfteverhältnisse in der Liga neu zu definieren und sich auf längere Sicht zwischen das zuletzt so dominierende Duo Bayern und Dortmund zu schieben. „Wir sind auch eine gute Mannschaft, daran gibt es überhaupt keine Zweifel“, verkündete Torschütze Son. Alles bestens also bei Bayer.

Dagegen haben die Dortmunder große Probleme. Sie verloren nicht nur die Punkte, sondern auch noch ihre Mittelfeldspieler Sven Bender und Nuri Sahin und müssen nun befürchten, das entscheidende Champions-League-Gruppenspiel in Marseille mit einer Rumpftruppe bestreiten zu müssen. „Das ist extrem bitter“, sagte Außenverteidiger Kevin Großkreutz.

Für den BVB wurde es ein misslungener Abend, dabei legten die Gastgeber los, als müssten sie das Spiel gleich in den ersten Sequenzen entscheiden: Viel Elan, enorm hohes Tempo – bereits nach drei Minuten war die Führung möglich, als Pierre-Emerick Aubamayang den Ball für Robert Lewandowski am Fünfmeterraum zurechtlegte, der polnische Torjäger jedoch aus spitzem Winkel an Torhüter Bernd Leno scheiterte. Als die erste Drangperiode überstanden war, fand Leverkusen besser ins Spiel und inszenierte durchdachte Angriffe. Die ersten Chancen hatten Jens Hegeler und Emre Can, doch die Weitschüsse waren nicht platziert genug. Dennoch fiel das 1:0 durch den pfeilschnellen Heung Min Son. Unter gütiger Mithilfe von Dortmunds Manndecker Manuel Friedrich, dessen schlimmen Fehlpass Can aufnahm, von dem aus der Ball über Castro zum Koreaner gelangte, der BVB-Torhüter Roman Weidenfeller elegant umkurvte.

Es war ein Wirkungstreffer, der die Borussia schwer ins Grübeln kommen ließ. Im Spielaufbau aus der Abwehr offenbarten sich eklatante Mängel. Das kam den Leverkusenern entgegen, die sich zurückziehen konnten, um bei Ballgewinn ihre überfallartigen Gegenangriffe zu inszenieren. So hätte Son den Vorsprung durchaus ausbauen können, als er wieder einmal enteilt war, auch der Lupfer von Hegeler verfehlte das Ziel nur knapp. „Die erste Halbzeit war mit das Beste, was wir spielen können“, lobte Sportdirektor Rudi Völler.

Dortmund war mit dem knappen Rückstand bestens bedient, so hilflos sieht man Klopps Mannschaft vor heimischer Kulisse nur selten. Auch nach dem Seitenwechsel tat sich der BVB schwer. Klopp fand den Auftritt „zwar leidenschaftlicher, aber noch lange nicht gut.“ Leverkusen stand weiter gut, bewegte sich geschickt und kontrollierte das Spiel. Klopp reagierte und brachte für den verletzten Sven Bender mit Marco Reus eine weitere Offensivkraft.

Doch auch das nutzte nichts. Als das Spielgeschehen einzufrieren drohte, leistete sich der Leverkusener Emir Spahic eine rüde Attacke gegen Lewandowski: Rot für den Bosnier, doch der BVB wusste die numerische Überlegenheit nicht zu nutzen, unterlag verdient und verlor kurz dem Abpfiff auch noch Sokratis mit gelb-roter Karte.

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