Sport : Der Wohlfühl-Effekt

Volleyballer Marco Liefke wird für den SCC nach den Play-offs ein bisschen teurer

Karsten Doneck

Berlin. Marco Liefke denkt ans Ausland. „In diesem Sommer werde ich 30. Ich bin dann in dem Alter, in dem ich das gerade noch machen könnte“, sagt er. Dass der Volleyball-Nationalspieler überlegt, ins Ausland zu wechseln, ist nicht verwunderlich. Sein Verein, der SC Charlottenburg, hat sich darauf verständigt, erst einmal das Saisonende abzuwarten, ehe er mit den Spielern in Verhandlungen tritt. Dann gibt es viel zu tun für die Verantwortlichen: Bei allen Spielern – einzige Ausnahme: Robert Kromm – laufen die Verträge aus. Es gibt von Vereinsseite Absichtserklärungen. „Wir würden gerne mit dieser Mannschaft weitermachen, am liebsten gleich über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren. Diese Mannschaft hat genügend Potenzial, sie wird noch weiter wachsen“, sagt Manager Kaweh Niroomand.

Die Charlottenburger haben es am Sonnabend (15 Uhr, Sömmeringhalle) in der Hand, die Saison 2003/04 erfolgreich abzuschließen. Im Play-off-Finale um die deutsche Meisterschaft empfangen sie den VfB Friedrichshafen. Es ist die vierte Runde in der Serie Best of five, der SCC führt mit 2:1 Siegen. Sollten die Friedrichshafener ein fünftes Spiel erzwingen, fände das am Sonntag wiederum in der Sömmeringhalle statt.

Die nur allzu verständliche Sorge um die eigene sportliche Zukunft hat die Leistungen der SCC-Spieler während der Play-offs erstaunlicherweise nicht negativ beeinflusst. „Wir haben es geschafft, dieses Thema rauszuhalten. Das ist vielleicht nicht ganz so einfach, weil bei uns ja viele persönlich verhandeln, ohne Anwälte oder Spielervermittler wie im Fußball“, sagt Marco Liefke. Es gab von Kaweh Niroomand wohl mal vor längerer Zeit eine Ansprache, in der es um Perspektiven ging, aber nichts Handfestes. Jetzt verspricht der Manager: „In der Woche nach den Play-offs setzen wir uns zusammen.“

Leicht wird es für den SCC nicht. Da zeigt einerseits der Etat die Grenzen auf. 650 000 Euro soll der Haushalt umfassen, genau wie in dieser Saison. Aber auf den Verein kommen Kostensteigerungen im Personalbereich zu. Da ist zum Beispiel Marco Liefke. Der kraftvolle Angreifer gehörte bisher der Sportförderungsgruppe der Bundeswehr an, bezog von dort auch einen Teil seines monatlichen Gehalts. Jetzt scheidet Liefke bei der Bundeswehr aus. „Da muss ich mich mit dem SCC über einen Ausgleich einigen“, sagt er. Um welchen Betrag es da geht, das bleibt unausgesprochen. Aber Niroomand sagt: „Das haut uns nicht vom Hocker. Marco ist ein wichtiger Spieler für uns.“

Liefke trägt beim SCC nicht von ungefähr die Nummer 1 auf dem Trikotrücken. Er ist der Führungsspieler, an ihm orientieren sich die Mitspieler – mitunter sogar so sehr, dass sich Niroomand schon mal nach einem Bundesligaspiel, in dem die Charlottenburger ohne ihre Nummer 1 antreten mussten und trotzdem gewannen, zu der launigen Bemerkung veranlasst fühlte: „Wir sind eben nicht der SC Liefke.“

Die Gefahr, dass der SCC den 206 cm großen Angreifer nach der Saison ins Ausland ziehen lassen muss, ist indes nicht gar so groß. „Mir liegen keine konkreten Angebote vor“, sagt Liefke selbst. Und auch Niroomand stellt fest: „Marco ist ein sehr bodenständiger Typ.“ Und die anderen? Nisse Huttunen zum Beispiel, der Libero, oder Jan Günther oder Jaroslav Skach? Niroomand: „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich auch nur ein einziger Spieler bei uns nicht wohl fühlt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben