Sport : Der Wohltäter

Der Franzose Johan Micoud hat dem Spiel von Werder Bremen ein neue Qualität verliehen

Andreas Morbach

Bremen. Gäbe es einen Preis für besonders wohltätige Fußballvereine – der SV Werder Bremen wäre ein heißer Kandidat für die Trophäe. „Wir suchen Spieler, die Qualität haben, aber auch immer mit Problemen zu kämpfen haben“, erklärt Sportdirektor Klaus Allofs das vorbildliche Bemühen des Klubs um in Not geratene Profis. Aktuelle Beispiele: Fabian Ernst, der beim Hamburger SV nicht zurecht kam, Krisztian Lisztes, der in Stuttgart stets im Schatten von Balakow stand, oder Marco Reich, das jetzt aus Köln gekommene Dauersorgenkind.

Auch Johan Micoud gehört zu diesen geplagten Seelen. Und wer dem filigranen Franzosen am Sonntag im Spitzenspiel gegen Bayern München zusieht, wird merken: Dieser Mann und der Ball sind Freunde, seine Probleme beim AC Parma müssen anderer Natur gewesen sein. „Ich weiß bis heute nicht, warum ich aus der Mannschaft geflogen bin“, sagt Micoud. Tatsache war: Weil in Italien der Umgang mit dem Euro inzwischen etwas züchtiger abläuft, war der 29-Jährige plötzlich zu haben. Ablösefrei.

„Elektrisiert“ habe ihn diese Nachricht, erzählt Allofs. Immerhin war Micoud zwei Jahre zuvor für 15 Millionen Mark von Bordeaux nach Parma gewechselt. Für eine Summe also, „die für Bremer Verhältnisse nicht zu stemmen ist“. Doch Allofs erwies sich als geschickter Verhandlungspartner. „Positiv, ehrlich und aufrichtig“ sei der Mann aus Deutschland gewesen, erinnert sich Micoud an das erste, fünfstündige Gespräch in einem feinen Hotel in Nizza. „Das war wichtig für alle Dinge, die folgten.“

Nach der vollzogenen Eingewöhnung bei Werder sehnt sich Micoud jetzt vor allem nach einer Rückkehr in die Equipe Tricolore. „Eine große Nummer“, nennt Bremens Trainer Thomas Schaaf den Franzosen. In der Heimat vergleichen sie die große Nummer sogar gerne mit der ganz großen Nummer, Zinedine Zidane. In erster Linie, weil beide im Mittelfeld Regie führen, und beide ihre Karriere in Cannes begonnen haben. Micoud jedenfalls kam bei der Weltmeisterschaft im Sommer nur zum Einsatz, wenn Zidane verletzt war. Mittlerweile ist er ganz aus dem Kader gestrichen worden.

Trotz der namhaften Mittelfeld-Konkurrenz im eigenen Land lässt ihm das keine Ruhe. „Natürlich möchte ich wieder für Frankreich spielen“, sagt er. Der Wechsel zu Werder, daraus macht Allofs allerdings kein Geheimnis, hat Micouds Ambitionen eher geschadet. „Das größte Problem war, ihn zu überzeugen. Immerhin hatten sich ja Lizarazu und Sagnol schon beschwert, dass die Bundesliga in Frankreich fast übersehen wird.“ Am Donnerstag, beim 1:2 im Uefa- Cup in Arnheim, spielte Micoud trotz Schleudertrauma mit – und leitete das entscheidende Gegentor mit einem Fehlpass ein. Außerdem traktieren ihn seine Gegenspieler immer stärker. All das missfällt Micoud.

Gegen Bayern will der Franzose sein kleines Formtief überwinden. Vielleicht ist es ganz hilfreich, dass auch der Gegner in einer Krise steckt. „Es ist kein Naturgesetz, dass Werder hinter Bayern und Dortmund landet“, sagt Micoud. Und dann ist da auch noch Bruno Martini. Der ist Assistent von Frankreichs Nationaltrainer Santini und sitzt am Sonntag im Weserstadion auf der Tribüne. Zum ersten Mal in dieser Saison.

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