Sport : Der Zahnarzt vom Schanzentisch

Der erste Weltcup-Sieg nach 348 Tagen ist gerade erst Geschichte, da plant Martin Schmitt bei der Skiflug-Weltmeisterschaft schon den nächsten großen Coup. "Mein Selbstvertrauen ist zurück", jubelte der vierfache Weltmeister nach seinen weiten Sätzen von Lahti. "Das baut ihn auf", glaubt Bundestrainer Reinhard Heß. Und sein Ko-Trainer Wolfgang Steiert kleidet seinen Optimismus gar in eine dentale Mentapher: "In Harrachov können wir jedem die Zähne ziehen."

Auch am Tag nach seinem Einzeltriumph flog Schmitt schon wieder vom Schanzentisch. Beim Team-Weltcup in Lahti belegte er mit der deutschen Mannschaft am späten Samstagabend Platz drei, gemeinsam mit Christof Duffner, Stephan Hocke und Michael Uhrmann. Vor 25 000 Zuschauern revanchierte sich Gastgeber Finnland für die knappe Olympia-Niederlage und siegte vor Slowenien. "Die Finnen haben verdient gewonnen, sie waren die bessere Mannschaft", sagte Schmitt.

Auch in Lahti stellte sich die Frage nach dem Sinn des Mannschafts-Weltcups. Der Veranstalter hatte Mühe, die vorgeschriebenen acht Teams zusammenzubekommen. Unter anderen fehlte die Schweiz. Doppel-Olympiasieger Simon Amann zog einen Auftritt bei der Fernsehshow "Wetten dass?" am Samstagabend vor. "Teamspringen gehören zu internationalen Großereignissen, aber im Weltcup reicht auch eins im Jahr", befand Christof Duffner.

Schmitt hatte seinen Einzel-Sieg am Freitagabend mit einem Bier gefeiert. Ganz bescheiden. "Er ist in den letzten Monaten menschlich sehr gereift, das war alles für ihn sehr lehrreich", so sein Heimtrainer Steiert. Viele Rück- und Tiefschläge hatte Schmitt in dieser Saison hinnehmen müssen. Sein letzter Sieg bei einem Weltcup-Springen datiert vom 18. März vergangenen Jahres, beim Skifliegen in Planica.

Bei der Skiflug-WM in Harachov soll Schmitts neuer Ski erneut zum Einsatz kommen. Das neue Arbeitsgerät hatte Schmitt schon in Salt Lake City beim Mannschafts-Olympiasieg benutzt, es ist Symbol für neue alte Stärken. "Das war ein entscheidendes Moment. Der Ski ist beweglicher und viel leichter", sagte Bundestrainer Heß. Die gleichen Eigenschaften scheinen auch auf Martin Schmitt zuzutreffen.

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