Sport : Der Zauber des rechten Fußes

David Beckham gibt eine Vorstellung seiner Kunst

Sven Goldmann

Madrid - Santiago Bernabeu hat einmal gesagt: In eine gute Mannschaft gehören zwei Argentinier, aber keine Engländer. Seit dem Tod des großen Klub-Präsidenten haben viele Engländer für Real Madrid gespielt, aber keiner war so umstritten wie David Beckham. Im Sommer wird er den Verein in Richtung Hollywood verlassen, aber vorher zeigt er noch einmal, dass er mehr ist als das Idol der metrosexuellen Jugend. Die Bayern werden es an diesem Abend zu spüren bekommen.

Vor zehn Tagen hat Beckham mit einem Freistoßtor den Kopf seines Trainers Fabio Capello gerettet, obwohl der ihn doch nach dem angekündigten Wechsel schon aussortiert hatte. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern herzt er jeden Mitspieler, am innigsten Mannschaftskapitän Raúl, der bei Capello die Begnadigung Beckhams durchgesetzt hatte.

Es wird ein grandioser Abend für den Engländer, sein wohl bestes Spiel im weißen Trikot mit der Nummer 23. Nahezu jede gefährliche Situation findet ihren Ursprung in Beckhams rechtem Fuß, mit dem er den Ball so meisterlich behandeln kann wie kaum ein anderer. Dazu läuft Beckham so viel wie sonst nie, er kämpft und grätscht und flankt auf Roberto Carlos, der Reals erste Torchance vergibt. Es hält ihn nicht auf dem rechten Flügel, immer wieder stößt er ins Zentrum vor und hat auch den Fuß im Spiel vor van Nistelrooys Pass auf Raúl, der Real schnell 1:0 in Führung schießt. Reals Kapitän feiert sein Tor an der rechten Eckfahne, und Beckham ist als erster Gratulant zur Stelle. Von eben dieser Eckfahne schlägt er kurz nach Bayerns zwischenzeitlichem Ausgleich den Ball auf den Kopf von Ivan Helguera, Raúl vollendet und schon liegt Real wieder vorne. Auch das 3:1 bereitet Beckham vor, diesmal zieht er einen Freistoß aus halblinker Position auf Helguera, der den Ball mit dem Scheitel in den Lauf des Torschützen van Nistelrooy verlängert.

Das Publikum spürt, dass da einer alles gibt. Immer wieder bekommt Beckham Sonderapplaus, für seine mit flacher Flugkurve und Spinn geschlagenen Flanken und seine Pässe über 40, 50 Meter direkt auf den Fuß eines Kollegen. Was fehlt zur Krönung seiner Leistung ist ein Tor, Oliver Kahn verhindert es in der zweiten Halbzeit, als er Beckhams Freistoß an die Latte boxt. Klaglos und mit ungebrochener Laufbereitschaft fügt er sich mit zunehmender Spielzeit in das jetzt defensiver ausgerichtete Konzept. Über seine Seite bringen die Bayern kaum einen brauchbaren Angriff zu Stande. Trotz des späten Münchner Anschlusstreffers: Selten hat ein Engländer im Stadion des Santiago Bernabeu so überzeugend aufgespielt wie David Beckham am Dienstagabend gegen den FC Bayern.

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