Sport : Der Zeitlose

Stefan Hermanns

über Agassis beeindruckende Karriere Andre Agassi ist ein Mann der Vergangenheit. Er spielt seit 20 Jahren professionelles Tennis, und wie historisch er selbst inzwischen ist, zeigt die Tatsache, dass er sich zu Beginn seiner Karriere noch mit Größen wie John McEnroe, Jimmy Connors und Ivan Lendl gemessen hat. Mittlerweile verliert er gegen Roger Federer, der bei normalem Verlauf seiner Karriere wohl als der Größte der Größten in die Geschichte eingehen wird. Ob sich die Leute allerdings einmal mit so viel Freude an ihn erinnern werden wie an Agassi?

Agassi ist der letzte Charakterkopf der Tennisszene, die einzige charismatische Figur in einem weitgehend gesichtslosen Umfeld, und weil er immer noch weit davon entfernt ist, sich auf dem Platz lächerlich zu machen, ist Agassi auch mit 35 Jahren immer noch ein Mann der Gegenwart. Das Tennis braucht ihn. Trotz Federer, der vermutlich so lange Rekord auf Rekord stapelt, bis keiner mehr da ist.

Das Publikum verehrt strahlende Sieger, aber wahre Liebe bringt es nur den Sportlern entgegen, die sich auch in der Niederlage behauptet haben. Sportlern wie Agassi, der von Platz eins der Weltrangliste auf Platz 141 stürzte und sich aus der Tiefe zurück an die Spitze spielte. Andre Agassi weiß aus eigener Erfahrung, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Deshalb spielt er immer noch Tennis. Und deshalb hat Boris Becker so früh aufgehört.

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