Sport : Der Zirkus zieht weiter

Das Spiel gegen Dallas ist für Alba Geschichte – was bleibt von der NBA in Berlin?

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Schnell wieder weg. Dirk Nowitzki verließ Berlin bereits am Sonntag.
Schnell wieder weg. Dirk Nowitzki verließ Berlin bereits am Sonntag.Foto: dapd

Berlin - Plötzlich passierte es. Zwei Minuten waren noch zu spielen in der Arena am Ostbahnhof und es lag eine Sensation in der Luft: Beim ersten Aufeinandertreffen mit einem NBA-Team hatten die deutschen Basketballer tatsächlich die Chance, zu gewinnen. Auf einmal stand der Großteil der etwa 15 000 Zuschauer und feuerte den Außenseiter an, Alba Berlin. Auch viele der unzähligen kleinen Dirk Nowitzkis in ihren blauen Trikots mit der Nummer 41, die wie die meisten gekommen waren, um die Dallas Mavericks und ihren deutschen Star zu sehen. Es wurde dann noch nichts mit der Sensation im Showspiel, Alba verlor knapp 84:89.

Als sich die Halle geleert hatte und Arbeiter die zusätzlichen Sitze und die Tribüne abbauten, blieb die Frage, was bleiben würde, nun, da der Zirkus die Stadt verlässt und weiterzieht. Auf jeden Fall eine Menge Erinnerungen. An Nowitzki etwa, wie er kurz vor der Halbzeit auf dem Weg zum freien Korb strauchelte und stürzte. „Das war übel, eine peinliche Aktion“, sagte der 34-Jährige, sein Knie habe plötzlich nachgegeben. Es war zu erkennen: Weder der Würzburger, der nur acht Punkte erzielte, noch sein Team waren in Form, nach nur einer Woche Training und fast sechs Monate nach ihrem letztem Spiel. Für ihn bleibt im Rückblick „der Rummel, der Hype, drei Tage waren ein bisschen kurz, um die Stadt zu sehen, aber es war schön, dass sich die Leute gefreut haben“.

Die Dallas Mavericks flogen schon am Sonntag weiter nach Barcelona, der PR-Terminkalender des Teams aus der NBA ist rappelvoll. „Wir touren um die Welt, um für Basketball zu werben“, sagte Ligachef David Stern vor dem Spiel in Berlin. Seit 1988 bereisen US-amerikanische Teams die Kontinente, in Deutschland waren sie zum achten Mal für ein Vorbereitungsspiel. Obwohl der Auftritt der Mavericks weitaus besser angenommen wurde als das letzte NBA-Testspiel in Berlin 2008, steht der Traum Sterns, nach Europa zu expandieren, weiter in großer Ferne. Auch in der kommenden Saison wird die Liga in Deutschland nur über Bezahl-Abos im Internet zu sehen sein. Für das Free-TV fehle das große Publikum, gab David Stern zu, aber „um das Spiel wachsen zu lassen, müssen wir mehr Kinder dazu bekommen, es zu spielen“. Dafür traf er sich mit dem Präsidenten des Deutschen Basketball-Bundes, Ingo Weiss, um über Nachwuchsförderung zu sprechen.

So könnte es Alba sein, das kurzfristig mehr von dem Auftritt der Mavericks profitiert als die NBA selbst. „Das war Werbung für Basketball, auch für Alba-Basketball“, sagte Sportdirektor Mithat Demirel nach dem Spiel. „Ich glaube schon, dass einige der Leute, die heute in die Halle gekommen sind, zu unseren Spielen wiederkommen.“

Das reizüberflutende Begleitprogramm der NBA, das wie von einem ADHS-Patienten orchestriert wirkte, wird dem Publikum dann nicht geboten. „Wir haben auch Showelemente, aber wir konzentrieren uns mehr auf das Sportliche“, sagte Demirel, der auch ein bisschen froh war, das der Rummel nun vorbei ist und Alba sich wieder auf die Saison konzentrieren kann.

Dafür nehmen die Berliner Basketballer eine Menge Selbstvertrauen mit. „Gegen solche Leute zu spielen, war ein Kindheitstraum, die hatten wir früher als Poster im Zimmer hängen“, sagte Center Yassin Idbihi, der aber beobachtete, „dass die auch nur mit Wasser kochen“. Die spektakulären Dunkings seien schließlich von Alba gekommen, von Deon Thompson, der auch mit 20 Punkten glänzte. „Unser Flieger ist schon voll“, sagte Dirk Nowitzki, man werde Thompson also nicht mitnehmen, aber insgesamt habe Alba „eine gute Truppe, die werden oben in der Bundesliga mitspielen“.

Albas Trainer Sasa Obradovic sagte: „Wir können stolz sein, so ein Team bis zum Ende gefordert zu haben, aber wir müssen am Boden bleiben.“ Spielmacher Heiko Schaffartzik fand es lediglich etwas irritierend, dass „in der eigenen Halle so viele Leute für das andere Team waren“.

Aber das änderte sich ja gegen Ende des Spiels und die spontanen Sympathien könnten es sein, die am Ende am längsten vom Zirkus zurückbleiben.

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