Sport : Der Zorn des Streichkandidaten

Helen Ruwald

Vor einer Woche erkämpften sich die Basketballer von Alba Berlin, die heute in Leverkusen antreten (15 Uhr, live im DSF), vorübergehend die Tabellenführung. Aus sportlicher Sicht hat Vizepräsident Marco Baldi Grund zur Freude. Doch anderes ärgert ihn gewaltig. Er war entscheidend an Albas Gründung vor elf Jahren, der Bewältigung massiver finanzieller Probleme und dem Aufstieg zu einem Topteam beteiligt. Und jetzt, wo sich der Klub hochgearbeitet hat, werden "populistische Sprüche" laut. So zumindest empfindet Baldi die Diskussion um die Spielbankgelder. Immer wieder wurde Alba in der Öffentlichkeit als Streichkandidat genannt - der Klub habe genug Geld. Mit Sparmaßnahmen kann sich Baldi arrangieren, nicht aber mit einer konzeptlosen Diskussion. Er fordert, "statt über die Verteilung erst mal über die Förderkriterien zu sprechen". Und findet es unbefriedigend, dass Alba, das "auch keine anderen Voraussetzung hatte als andere", aber besser gewirtschaftet hat, nun "als Krösus gesehen wird".

Mit Spielbankmitteln in Höhe von knapp eineinhalb Millionen Euro sind Berlins Bundesliga-Vereine 2001 gefördert worden. Der Deutsche Meister Alba erhielt rund 125 000 Euro - mehr als alle anderen. Die Volleyballer des SCC und der Volley Cats wurden mit je 100 000 Euro unterstützt, die Wasserfreunde Spandau mit 75 000, Eintracht Südring mit 20 000 Euro. Alba, das einen Saisonetat von geschätzten fünf Millionen Euro hat, erhält mehr als sechsmal so viel wie Eintracht Südring. Mit Albas Spielbankgeldern könnte der Badmintonklub (Etat: etwa 127 000 Euro) eine ganze Saison bestreiten.

Die Fördersumme müsse man in Relation zum Etat sehen, sagt Lothar Walther, der im Senat für Sportförderung zuständig ist. "Im Verhältnis bekommen die Volley Cats mehr als Alba, weil Alba in der Lage ist, eigene Werbepartner zu akquirieren." Hier machen die Spielbankgelder mehr als ein Viertel des Etats aus, dort etwa ein Vierzigstel. Noch entscheidet der Stiftungsrat der Klassenlotterie über die Vergabe der Gelder. Walther prüft die Anträge und verfasst Stellungnahmen für den Stiftungsrat.

Alba hatte weit mehr beantragt, als bewilligt wurde - doch dass dem Klub Spielbankgelder grundsätzlich zustehen, steht für Walther außer Frage. So sei bei der Gegenüberstellung von Albas Einnahmen und Ausgaben "ein Fehlbedarf" entstanden. Alba brauchte also noch Geld. Ausschlaggebend ist - bislang - nicht nur die Frage, ob ein Klub auch ohne Spielbankgelder existieren könnte. "Der Betrag ist abhängig von sportlichen Erfolgen", sagt Walther, "außerdem ist Alba ein Aushängeschild für Berlin." Und das zählte bisher eben auch. Der Wegfall der Spielbankgelder "träfe Alba natürlich", sagt Baldi. Albas Existenz wäre nicht gefährdet, aber dem Versuch, den Abstand zu den reichen südeuropäischen Vereinen zu verringern, wäre eine Streichung nicht zuträglich. Künftig wird der Landessportbund (LSB) über die Verteilung der Spielbankgelder entscheiden. LSB-Präsident Peter Hanisch hat angekündigt, Kriterien ausarbeiten zu lassen, damit "das Geld an die wirklich bedürftigen Vereine geht". Alba dürfte kaum in diese Kategorie fallen.

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