Sport : Der Zweikampf

Lutz Michael Fröhlich

Weserstadion Bremen, es läuft die 87. Spielminute. Der Hamburger Rafael van der Vaart kämpft gegen Verteidiger Per Mertesacker kurz hinter der Mittellinie um den Ball, beide rempeln sich an, Mertesacker fällt, van der Vaart hat freie Bahn zum Tor und erzielt das 2:0 für den HSV. Wie kann ein Schiedsrichter erkennen, ob Stürmer oder Verteidiger foult, Herr Fröhlich?

Fußball ist ein körperbetontes Spiel, Körperkontakt ist also erlaubt, aber kein Einsatz der Hände, kein Rempeln oder Schubsen. In diesem Fall war zu erkennen, dass van der Vaart körperbetont, aber nicht unfair gespielt hat. Er war einfach präsent. Denn Mertesacker hat im Zweikampf seinen Körper etwas nach hinten gelehnt, sich dadurch aus der Balance gebracht und ist schließlich hingefallen.

Als Schiedsrichter versucht man in einer solchen Situation, möglichst den besten Blickwinkel zu bekommen, um richtig entscheiden zu können. Die beste Entfernung liegt zwischen acht und zehn Metern, so ist der Schiedsrichter nicht zu nah dran, um sich im Detail zu verlieren und auch nicht zu weit weg. Ziel muss außerdem sein, eine Einsicht zwischen die Spieler zu bekommen, also den Zweikampf nicht von vorne oder von der Rückseite zu beobachten. Eine Hilfe gibt immer der Bewegungsablauf. Wenn van der Vaart Mertesacker zum Beispiel umgestoßen hätte, wäre der mit einer ruckartigen Bewegung umgefallen.

Falls es der Schiedsrichter nicht rechtzeitig schafft, in die beste Position zu kommen, weil der Angriff etwa sehr schnell mit einem langen, schnellen Pass eröffnet wird, so bindet er den Assistenten ein, der ihn dann unterstützen muss. Es gibt für den Schiedsrichter bei der Entscheidung aber keinen Grundsatz wie „Im Zweifel für den Stürmer“ oder „Im Zweifel für den Verteidiger“. Er muss einfach die erste Unsauberkeit gleich rauspfeifen. So bringt er eine klare Linie ins Spiel hinein.

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