Sport : Der zweite Deutsche

Reiner Guareschil

Jörg Jaksche war mit großen Hoffnungen nach Frankreich angereist: „Wir wollen das Rennen hier gewinnen“, sagte er vor dem Start der Tour. Eine Woche lang sah es ganz danach aus, als würden Jaksches Hoffnungen erfüllt. Sein Team Once wurde im Mannschaftszeitfahren von US Postal nur knapp geschlagen, und sein Kapitän Joseba Beloki forderte in den Alpen Lance Armstrong wie nie zuvor.

Doch dann kam der 14. Juli. Jaksche fuhr mutig und voller Elan davon und trug – rein rechnerisch – zwischenzeitlich sogar das Gelbe Trikot. Doch dann stürzte sein Kapitän Beloki so schwer, dass er vor Schmerzen schrie. Die Hüfte und der Arm brachen, vor allem aber zerbarsten alle Hoffnungen der Mannschaft. Auch die von Jaksche, der wie versteinert bei seinem verletzten Chef stehen blieb, während die Uhr lief. Viereinhalb Minuten verlor er an diesem Tag, die Treue zu seinem Kapitän brachte viele Schlagzeilen. Seit dem Ausscheiden Belokis ist es ruhig um das Team Once geworden, das jetzt von Jaksche angeführt wird. Trotz seines Zeitverlustes liegt er auf Platz 16 und ist nach Jan Ullrich bester Deutscher.

Jaksche hat sich von seinem Schock erholt und zeigt, dass er in einem seltenen Maß Kletter- und Zeitfahrqualitäten verbindet. Das hatte er schon 1998 als 21-jähriger Neuprofi bewiesen, als er überraschend auf den 18. Platz kam. Es folgten gut bezahlte Jobs bei Telekom und dann bei Once, zwei der besten Adressen im Radsport. Allerdings stand er dort jeweils in der zweiten Reihe hinter Fahrern mit Ambitionen auf den Sieg. Seit dem 14. Juli hat sich das geändert. Sicherlich wäre Jaksche lieber auf eine andere Art Kapitän geworden.

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