Sport : Der zweite Mann gewinnt

Massa siegt vor Alonso – Schumacher wird Dritter und fällt in der WM zurück

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Es war eine gute halbe Stunde nach Rennende, da stand Michael Schumachers Manager Willi Weber immer noch kopfschüttelnd im Fahrerlager des Istanbul Park. Mitten in der Sonne, bei 35 Grad – und ganz in Schwarz. Es schien, als ob Weber bei seiner Kleiderwahl am Morgen schon geahnt hätte, dass es für ihn und seinen Klienten an diesem Sonntag beim Großen Preis der Türkei nichts zu feiern geben würde. „Das kann doch alles nicht sein“, meinte er leise. „Das“ war die Tatsache, dass Michael Schumacher in einem Rennen nur Dritter geworden war, in das er als klarer Favorit gestartet war.

Gewonnen hatte stattdessen Felipe Massa, der andere Ferrari-Fahrer. „Es tut mir leid für Michael“, sagte der Brasilianer, bevor er nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg Tränen der Freude weinte. „Aber für mich ist ein Traum wahr geworden.“ Noch viel schlimmer als der Triumph des kleinen Massa war für Schumacher und seine WM-Titelambitionen die Tatsache, dass sich der Weltmeister Fernando Alonso vor ihm auf dem zweiten Platz behaupten konnte. Schumacher hatte sich nach der überragenden Vorstellung der Roten an den Trainingstagen sicher gefühlt, hier weiter an seinen Rivalen heranzukommen. Stattdessen baute der Renault-Pilot gegenüber Schumacher seinen Vorsprung in der WM-Wertung von um zwei auf 12 Punkte vier Rennen vor Schluss aus. Schumacher gab sich daraufhin kämpferisch: „Aufgegeben wird, wenn im letzten Rennen die Zielflagge unten ist.“ Toyota-Pilot Ralf Schumacher kam auf Rang acht zu einem WM-Punkt, Nick Heidfeld (BMW-Sauber) wurde 14. Williams-Pilot Nico Rosberg schied in der 25. Runde auf Position fünf liegend mit technischem Defekt aus.

Rückblickend wäre es für Schumacher sogar besser gewesen, hätte Alonso den Rat des Williams- Testpiloten Alexander Wurz befolgt und seinen Rivalen am Start einfach von der Strecke gerempelt. Tatsächlich waren in der ersten Kurve diverse zerstörte Frontflügel und zerfetzte Reifen zu bewundern, die unter anderem Nick Heidfeld, Ralf Schumacher und den zweiten Renault-Fahrer Giancarlo Fisichella zu Reparaturarbeiten in die Box und Vorjahressieger Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) schließlich zur Aufgabe zwangen. Doch die Spitzenfahrer verzichteten trotz einer klaustrophobischen Enge in der ersten Kurve auf unfeine Rempeleien. Schumacher verteidigte seinen zweiten Startplatz mit rigorosem Einsatz vor Alonso, sein Teamkollege Massa behielt die Führung, und das Ferrari-Duo setzte sich ab. Alles sah nach einem ungefährdeten Doppelsieg aus.

Doch während Massa fehlerlos blieb, konnten das Schumacher und sein Team nicht von sich behaupten. Die Strategen um Ross Brawn unterlagen diesmal einem verhängnisvollen Irrtum: Als in der 14. Runde das Safetycar wegen eines Drehers des Toro-Rosso-Piloten Vitantonio Liuzzi herauskam, holte man den führenden Massa und den Zweitplatzierten Schumacher in dieser Reihenfolge gleichzeitig an die Box – obwohl Schumacher dadurch warten musste und hinter Alonso zurückfiel. „Wir haben gedacht, dass der Vorsprung groß genug ist“, sagte Schumacher. Ferrari war so überzeugt von der eigenen Überlegenheit, dass es das Team als kein großes Problem ansah, wenn Schumacher kurzzeitig hinter Alonso zurückfallen würde. Doch aus dem kurzfristigen wurde ein dauerhaftes Hinterherfahren. „Ich hatte Probleme mit dem zweiten Reifensatz“, sagte Schumacher. Beim verzweifelten Versuch, doch noch die nötigen Rundenzeiten zu fahren, leistete er sich nach seinen zwei Ausrutschern am Samstag, die schon die Poleposition gekostet hatten, einen dritten – den entscheidenden. „Die Zeit hat mir am Ende gefehlt“, sagte Schumacher. Auch nach dem zweiten Stopp kam der Deutsche wieder hinter Alonso aus der Box, „und damit war die Sache gelaufen“. Trotz heftiger Attacken auf den Spanier in den letzten 15 Runden behauptete Alonso den zweiten Platz mit 81 Tausendstelsekunden Vorsprung und stellte am Ende auch süffisant fest: „Wenn Michael den Fehler nicht gemacht hätte, wäre ich wohl nicht vorn geblieben.“ Vielleicht kann er diese Behauptung am Saisonende noch einmal wiederholen.

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