Sport : Der zwölfte Mann

Die Serie von Abgängen bei Hertha BSC hält an – nach Kevin-Prince geht auch Jerome Boateng

Karsten Doneck,Claus Vetter

Berlin - Gestern hat Kevin-Prince Boateng geheiratet – in Berlin. Am Freitag wird der junge Fußballprofi dann nach London ziehen, zu seinem neuen Arbeitgeber, dem Premier-League-Klub Tottenham Hotspur. Vor seinem Abflug nach England hat der 20-Jährige aus dem Berliner Wedding noch einmal seinen ehemaligen Förderklub Hertha BSC geschurigelt. Zur aktuellen Bundesliga-Mannschaft der Berliner sagte Boateng: „Die, die Stimmung machen, sind weg. Jetzt haben sie eine Armee, wo alle nur strammstehen und mit dem Kopf nicken.“ Kevin-Prince Boateng war bereits der elfte Abgang der Herthaner nach der vergangenen Saison. Sein Bruder Jerome Boateng wird wohl der zwölfte vor der neuen Saison sein, die für Hertha am Samstag mit dem DFB-Pokalspiel beim Regionalligisten SpVgg Unterhaching beginnt. Der jüngere der beiden Boateng-Brüder ist sich mit dem Hamburger SV schon über den Wechsel einig.

In Hamburg soll der 18-Jährige einen Vierjahresvertrag bis 2011 unterschreiben. Von einem Jahresgehalt in Höhe von 750 000 Euro ist laut „Bild“-Zeitung die Rede. Vom Hamburger SV wurde gestern der seit Wochen angestrebte Wechsel noch nicht bestätigt. Bei Hertha BSC sagte Trainer Lucien Favre, auf den Wechsel Jerome Boatengs angesprochen, derweil mit säuerlichem Unterton: „Er hat mit uns trainiert, er ist im Kader, fertig.“

Jerome Boateng, der erst neun Bundesliga-Spiele als Referenz aufweist, wird auf ausdrücklichen Wunsch von Trainer Huub Stevens nach Hamburg geholt. Stevens war auf diesen Spieler bereits zu seiner Zeit als Trainer bei Hertha BSC aufmerksam geworden, als Boateng noch in der Jugendmannschaft des Berliner Bundesligisten spielte. Aufseiten des HSV führte Dietmar Beiersdorfer die Verhandlungen mit Hertha BSC. Zweimal musste Beiersdorfer beim Aufsichtsrat des eigenen Klubs vorstellig werden, um sich zunächst für das erste und danach auch für das erhöhte Angebot an Hertha die Ablösesummen genehmigen zu lassen. Der Rat stimmte in beiden Fällen zu.

In Hamburg soll Boateng eine Alternative für die Defensive sein. In der Stammviererkette mit Demel, Kompany, Mathijsen und Atouba wird er in der Tat wohl nur im Falle von Verletzungen seine Chance erhalten, und auch im defensiven Mittelfeld mit Jarolim und de Jong wird sich Boateng schwer durchsetzen können. Zumal er aufgrund einer Verletzung Herthas Trainingslager im Burgenland in Österreich zur Vorbereitung auf die neue Saison nicht mitmachen konnte.

Zumindest wird sich Jerome Boateng in Hamburg nicht allzu fremd fühlen. Mit dem ebenfalls aus Berlin stammenden Änis Ben-Hatira, der im Januar 2006 von Tennis Borussia zum HSV gewechselt ist, verbindet Boateng eine Freundschaft.

Den Berliner Trainer Lucien Favre wird das wenig trösten, er hat nun nicht eben einen opulenten Kader zum Saisonstart zur Verfügung. Das sei in seiner Zeit beim FC Zürich, den er zweimal zum Schweizer Meistertitel führte, anders gewesen, sagte der Schweizer gestern – zwei Tage vor dem Spiel in Unterhaching. In Zürich sei die Mannschaft zum Saisonstart „fertig“ gewesen. Bei Hertha sei das anders. „Wir spielen mit Qualität, aber es fehlt an Quantität“, sagte Favre. Das sei nicht ungefährlich, zumal während der Saison auf die verschiedenen Nationalspieler im Team noch zusätzliche Belastungen zukommen würden. Aber Herthas Manager Dieter Hoeneß will bis zum Transferschluss am 31. August noch tätig werden. „Bedingt dadurch, dass wir einen neuen Trainer verpflichtet haben, sind wir ein bisschen spät dran“, sagte Hoeneß unlängst. Maßstab sei für ihn nicht der Saisonauftakt, sondern der 31. August. Bis dahin will Hoeneß noch „vier, vielleicht auch fünf neue Spieler“ verpflichten.

Trotz dünner Personaldecke hat sich Lucien Favre vor dem Pokalspiel übrigens noch nicht für eine „Mannschaft entschieden“. Dabei werden dem Trainer doch so langsam die Entscheidungen abgenommen. Die Auswahl an Spielern ist mit den Abgängen der Boateng-Brüder bei Hertha BSC noch überschaubarer geworden.

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