Derby im Ländle : VfB gegen KSC: Da knallt es jedesmal

Neben dem Revier-Derby Schalke gegen Dortmund gehört die Partie Stuttgart gegen Karlsruhe zu den brisantesten Nachbarschafts-Duellen in Deutschland. Am Sonntag treffen Schwaben und Badener wieder aufeinander.

Matthias Bossaller
Stuttgart Karlsruhe
Heiße Atmosphäre: Beim letzten Derby in Stuttgart zündeten Fans bengalische Feuer. Die Vorfälle dort heizten die Rivalität weiter...Foto: dpa

Durch die vergiftete Atmosphäre des Spiels aus der Vorsaison ist das Derby in Baden-Württemberg zusätzlich aufgeladen. Doch die Rivalität zwischen Schwaben und Badenern dauert schon viel länger an, als es den VfB Stuttgart und den Karlsruher SC gibt. Bereits 1806 als Kaiser Napoleon Württemberg zum Königreich erhob und Baden Großherzogtum blieb, bildete sich eine explosive Gemengelage aus Neid, Missgunst und Rivalität. Als 1952 das Bundesland Baden-Württemberg gegründet wurde, geschah dies gegen den Willen der Badener. Bei der Abstimmung konnten sie sich aber nicht gegen die Überzahl der Württemberger durchsetzen.

Der VfB ist die Nummer eins im Land

Im Fußball ist die Machtverteilung ähnlich gelagert. Der VfB aus der Landeshauptstadt Stuttgart ist die Nummer eins im Ländle, der KSC steht hinten an. Ein Sieg gegen den ungeliebten großen Nachbarn ist für die Karlsruher und ihre Fans daher das Größte. Am Sonntag (17 Uhr/live im Buli-Ticker) ist es wieder soweit: Die Schwaben treffen auf die Badener. Der VfB Stuttgart empfängt den Karlsruher SC in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena. Dieses brisante Derby ist durch die Vorgeschichte aus der Vorsaison zusätzlich mit Gift und Galle aufgeladen.

Nach einem hitzigen Duell auf dem Platz, in dessen Verlauf KSC-Raubein Maik Franz Nationalstürmer Mario Gomez hart bekämpfte und beschimpfte, platzte es aus dem VfB-Angreifer vor laufender Kamera nach Spielschluss heraus: "Maik Franz ist ein Arschloch." Doch auch Gomez sparte während des Spiels nicht mit Provokationen. Nach seinem Treffer zum 1:0 (Endstand: 3:1) eilte er vor die KSC-Fankurve und feierte aufreizend lächelnd sein Tor. Abgeschossene Leuchtrakten aus dem Karlsruher Block, die den eigenen Spieler Christian Eichner nur knapp verfehlten, und Hass-Gesänge auf beiden Seiten bildeten eine feindselige Atmosphäre auf den Rängen. "Man hat gemerkt, dass es für beide Mannschaften und beide Lager ein besonderes Spiel mit vielen Emotionen ist", erinnert sich VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Partie zum "Spiel mit erhöhtem Risiko" erklärt. Die Verantwortlichen sind gewarnt, es herrscht erhöhte Polizeipräsenz und zusätzliche Ordnungskräfte sind im Einsatz. "Für dieses Spiel gilt Sicherheitsstufe 1", sagte der VfB-Fan-Beauftragte Peter Reichert. Und Guido Passaro, Einsatzleiter bei der Stuttgarter Polizei, ließ mitteilen: "Wir stehen seit Wochen im engen Kontakt mit den Karlsruher Kollegen, der Bundespolizei und dem Security-Dienst." Rund 900 Ordner und 1000 Polizisten sollen für das Derby im Einsatz sein. Bei einem normalen Bundesligaspiel werden 300 Ordner und nur 200 Polizisten eingesetzt. Für die erwarteten 6000 Fans aus Karlsruhe kommen extra 50 Ordner aus Baden mit, die vor dem KSC-Block postiert werden. Rund 150 Anhänger gelten als gewaltbereit. Schon bei der Anreise werden die KSC-Fans von Ordnungskräften begleitet, um Zusammenstöße mit VfB-Anhängern zu verhindern.

Franz freut sich auf Gomez

KSC-Manager Rolf Dohmen ewartet wieder "ein heikles Spiel" und warnt: "Auf beiden Seiten gibt es einige Leute, bei denen man nicht auf den gesunden Menschenverstand setzen darf." Der neue KSC-Kapitän Maik Franz freut sich hingegen auf "ein sehr emotionales Derby. Für unsere Fans ist es das wichtigste Spiel des Jahres". Vor der Neuauflage des Duells mit Mario Gomez ist dem 27-Jährigen nicht bange. "Mario ist sicher einer der besten Stürmer in Deutschland. Ich freue mich auf das Duell gegen ihn, denn das gibt mir auch ein Feedback über meine eigene Leistung", sagte Franz in der "Sport-Bild". Gomez will sich mit der Geschichte von damals nicht mehr beschäftigen. "Die Sache ist doch längst erledigt. Dazu ist alles gesagt", gab er sich im "Kicker" zugeknöpft.

Für die Fans in beiden Lagern ist die Angelegenheit hingegen nicht abgehakt. Für sie bleibt Gomez bzw. Franz der meist gehasste Spieler im meist verachteten Klub. Die Internetforen sind voll von Schmähungen und Beschimpfungen. Franz wurde bereits vor der Geschichte mit Gomez zum Roten Tuch für die VfB-Fans. Bei der Aufstiegsfeier der Karlsruher 2007 stimmte der Ex-Wolfsburger übermütig das Lied auf die "Stuttgarter Arschlöcher" an. Später entschuldigte sich der Klub für diese Entgleisung beim VfB.

Schäfer hat beim VfB keine Chance

Der frühere KSC-Trainer Winni Schäfer kann ein Lied davon singen, wie sich eine badische Vorbelastung aus VfB-Sicht auswirken kann. Schäfer wechselte nach zwölf Jahren auf der KSC-Trainerbank 1998 zum VfB Stuttgart. Der frühere Gladbachspieler hatte von Beginn an keine Chance im Schwabenland. Die Fans nahmen es Schäfer krumm, dass er mit Karlsruher Nummernschild aufs VfB-Gelände fuhr und keinen Zweifel daran ließ, wie sehr er dem KSC noch verbunden sei. Hinzu kam noch, dass unter Schäfers Führung die VfB-Erfolge sehr übersichtlich ausfielen. Nach nur fünf Monaten musste er wieder seinen Hut nehmen und die Stuttgarter Fans machten drei Kreuze.

Aus sportlicher Sicht sorgt das Derby nicht gerade für erhöhte Pulsfrequenz. Der VfB ist als Fünfter klarer Favorit gegen den KSC, der mit drei Punkten nur auf Rang 14 liegt. Beide Teams haben noch lange nicht ihre Bestform erreicht, wobei zumindest beim VfB die Ergebnisse stimmen. Dies wurde einmal mehr am Donnerstag deutlich, als der Meister von 2007 zwar im Uefa-Pokal bei Cherno More Warna 2:1 gewann, aber eine ganz dürftige Leistung zeigte. "So brauchen wir in der Bundesliga gar nicht mehr antreten", schimpfte Trainer Armin Veh und forderte: "Gegen den KSC erwarte ich eine ganz andere Mannschaft." Dass die Motivation eine ganz andere sein dürfte, als gegen den bulgarischen Provinzklub, liegt auf der Hand. Denn gegen den KSC gilt es zu beweisen, wer die Nummer eins im Bundesland Baden-Württemberg ist.






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