Derby : Leverkusen ist zurück im Rennen

Leverkusen gewinnt das rheinische Derby beim 1. FC Köln 2:0 und nähert sich den Uefa-Cup-Plätzen.

Richard Leipold[Köln]
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Helmes zum Himmel. Der Leverkusener Stürmer (rechts) erzielte vom Elfmeterpunkt das entscheidende 2:0 gegen seinen früheren Verein...Foto: dpa

Nach dem Abschlusstraining am Samstag hatten sich Spieler und Trainer von Bayer Leverkusen vor dem Fernseher versammelt, um gemeinsam die Schlussphase der Bundesligaspiele zu verfolgen. Als die Begegnungen abgepfiffen waren, gab es lange Gesichter. Die guten Ergebnisse einiger Mitbewerber um einen internationalen Startplatz hatten den Bayer-Profis gar gefallen. „Da waren wir erst mal ein bisschen enttäuscht“, berichtete Trainer Bruno Labbadia. Der Druck vor dem rheinischen Derby in Köln war nochmals gewachsen für die Leverkusener, die in der Rückrunde zuvor erst eine Partie gewonnen hatten. „Es wäre fatal, schon aufzugeben“, hatte Labbadia seinen Spielern gesagt. Er selbst habe „immer an diese Mannschaft geglaubt“. Beim 2:0 über den 1. FC Köln sah er sich in diesem Glauben bestätigt. Dank der Tore von Stefan Kießling und Patrick Helmes in der zweiten Halbzeit genügte Leverkusen eine mäßige Leistung, um in Reichweite des fünften Platzes zu bleiben. Entscheidend für den Erfolg sei gewesen, dass seine Elf geduldig auf ihre Chance gewartet habe, sagte Labbadia: „In einer solchen Phase geht es nicht über Schönspielerei.“

Davon konnten sich die knapp 50 000 Zuschauer im Kölner Stadion ausgiebig überzeugen. Im ersten Durchgang wollte auf dem Rasen keine Derbystimmung aufkommen, auch wenn die FC-Fans ihre Elf fast durchweg voller Inbrunst anfeuerten. Der Ball kam nur selten in Tornähe, die Offensivkräfte stellten sich nicht sonderlich geschickt an. In der ersten Hälfte gab es nicht einen vielversprechenden Angriff. So blieb ein Zusammenstoß zwischen dem Kölner Torwart Faryd Mondragon und dem Leverkusener Verteidiger Lukas Sinkiewicz die aufregendste Szene.

Nach der Pause wurde Leverkusen ein wenig energischer. Mehr als ein harmloser Kopfball von Manuel Friedrich kam dabei aber zunächst nicht heraus. Als gut eine Stunde absolviert war, erhoffte sich Labbadia von einem Doppelwechsel mehr Spielwitz. Für Tranquillo Barnetta und Arturo Vidal wechselte er Renato Augusto und Toni Kroos ein. Und prompt gelang den Leverkusenern der Treffer, den sie so dringend brauchten, um wieder Mut zu fassen im Kampf um einen Platz im Europapokal. Nach Kießlings Tor jubelten die Bayer-Fans, die von ihrer Lieblingsmannschaft im Winter so oft enttäuscht worden waren: „Die Nummer eins am Rhein sind wir.“

Nun kam doch noch ein wenig Derby-Atmosphäre auf. Nach einem grenzwertigen Zweikampf zwischen FC-Verteidiger Geromel und Kießling erkannte Schiedsrichter Peter Sippel auf Elfmeter für Leverkusen. Eine Entscheidung, die nicht nur auf den Rängen Misstöne hervorrief. Auf dem Platz protestierten einige Kölner Profis überaus heftig. Drei von ihnen wurden von Sippel mit Gelb bestraft, darunter auch Ersatzspieler Matthias Scherz, der zwar gar nicht im Spiel war, aber den Rasen betreten hatte, um zu schlichten. Patrick Helmes, ein früherer Kölner, ließ sich vom Durcheinander ebenso wenig stören wie von den Pfiffen und Beschimpfungen seiner einstigen Verehrer. Der Stürmer nutzte den Strafstoß souverän zu seinem 18. Saisontor. „Es war nicht einfach für ihn bei dem ganzen Theater, das es um seinen Wechsel gab“, sagte Labbadia. „Aber Pat hat Nervenstärke bewiesen.“

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