Sport : Des Trainers Glück

Mirko Votava profitiert von der Unruhe beim 1. FC Union

Claus Vetter

Berlin. Mirko Votava flüchtet sich dieser Tage in Sarkasmus. „Meine Situation hat auch ihr Gutes“, sagt der Trainer des 1. FC Union. „Ich bin jetzt so oft im Fernsehen, da kann ich den Leuten endlich mal meine Meinung geigen.“ Das ist wohl das kleine Glück eines Fußballlehrers, über dessen Arbeitsplatz seit Wochen diskutiert wird. Noch glaubt der 47-Jährige, dass der letzte Tabellenplatz in der Zweiten Bundesliga für Union nicht zum Stammplatz wird. „Ich will die Leute, die über mich diskutieren, ärgern“, sagt er. Und das sei einfach: Ein Sieg am Sonntag im Punktspiel gegen Tabellenführer Bielefeld (15 Uhr, Alte Försterei), ein Erfolg am Mittwoch gegen Bundesligist Bayer Leverkusen im Pokal – und schon könnte es bei Union wieder ruhiger werden.

Der Konjunktiv ist allerdings angebracht. Nicht nur, weil die bisherigen sportlichen Vorstellungen von Union – nur ein Sieg in neun Spielen – mit des Trainers Optimismus nicht korrespondieren wollen. Auch das Stühlerücken in der Geschäftsstelle hat für zusätzliche Unruhe gesorgt. Immerhin ist die Chefetage um Präsident Jürgen Schlebrowski nun wieder handlungsfähig, nachdem Marketing-Chef Ralf Büttner die Nachfolge von Vizepräsident Bernd Hofmann angetreten hat. Angesichts der Kapriolen ist Votava etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten, vielleicht nimmt der Trainer auch daher seinen Optimismus. „Wir sind in den letzten Spielen nie weggebrochen“, sagt er. Die Stimmung im Team sei in Ordnung. „Natürlich haben wir zwei schwere Aufgaben vor uns, aber das ist beides machbar.“

Die Kritik an seiner Person berühre ihn immer weniger, sagt Votava. Vieles sei ohnehin übertrieben. „Hier wurde ja schon nach zwei Spieltagen über den Trainer diskutiert.“ Und er verstehe auch, dass in Zeiten sportlicher Not manche noch von Vorgänger Georgi Wassilew schwärmen. Aber viele hätten da wohl ein verklärtes Bild, sagt Votava. „Wenn ich heute den Etat hätte, den Union damals in der Regionalliga hatte, dann würden wir ganz woanders stehen.“

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