Sport : Des Trainers neue Härte

Der Fall Stanojevic zeigt, dass Alba Berlins Coach Henrik Rödl sich verändert hat

Benedikt Voigt

Berlin - Als Henrik Rödl aus dem Hinterausgang der Jako-Arena schritt, setzte Jubel ein. „Hen-rik Rö-dl", riefen rund 100 Alba-Fans und hielten die Hände zum Abklatschen bereit. Danach feierten sie jeden Berliner Spieler und klatschten sogar jene Basketballer ab, die zuvor Bamberger Trikots getragen hatten. Den Fans war in diesem Moment nicht anzumerken, dass am selben Tag bekannt geworden ist, dass eine wichtige Identifikationsfigur den Verein überraschend verlassen hat: Jovo Stanojevic.

Damit haben Berliner Fans am vergangenen Sonntag beim 68:65 in Bamberg die Stimmung vorweggenommen, die Alba Berlin in dieser Woche ergriffen hat. „Der Weggang von Jovo Stanojevic war bei uns nicht das bestimmende Thema“, sagt Teammanager Henning Harnisch, „man hat ja eine Aufgabe“. Nämlich Deutscher Meister zu werden. Siegen die Berliner heute (19.30 Uhr, MaxSchmeling-Halle) gegen Tübingen und am Sonntag beim Tabellenzweiten Ludwigsburg, wäre ihnen Platz eins in der Bundesliga nicht mehr zu nehmen. „Das wäre eine wichtige Zwischenetappe vor den Play-offs“, sagt Harnisch. Allerdings kämpft Alba erneut mit Verletzungen, Nenad Canak und Kirk Penney plagen Leistenprobleme, William Avery schmerzt wieder die Patellasehne.

Der plötzliche Abgang Stanojevics verdeutlicht nur eine Entwicklung die Trainer Henrik Rödl in den letzten Monaten genommen hat: Er ist sicherer, aber auch härter in seinen Entscheidungen geworden. Der Centerspieler war nach vier Jahren gegangen, weil er mit seiner kurzen Spielzeit, die er nach seinem Kreuzbandriss erhalten hat, nicht zurecht gekommen ist. „Er war schon länger unzufrieden“, sagt Rödl. In dieser Phase habe er sich öfter mit ihm unterhalten, doch an dessen Rolle auf dem Spielfeld änderte sich nichts. „Es spielen die, die sich im Training dafür anbieten“, antwortete Rödl beim Thema Stanojevic. Einen Bonus für vergangene Taten gibt es bei ihm offenbar nicht. „Henrik Rödl ist sehr geradlinig“, sagt Harnisch, „die Spieler wissen, woran sie sind“. Neu war zuletzt, dass Rödl auch mal den wichtigsten Werfer Chris Owens aus dem Spiel nimmt, wenn dieser in der Offensive zu eigensinnig auftritt. Vor einigen Wochen bekam auch der 20-jährige Nicolai Simon die neue Härte zu spüren, als Rödl ihn nach einem Ballverlust auswechselte und lautstark schimpfte. Henning Harnisch will die sportlichen Entscheidungen des Trainers nicht kommentieren, sagt aber: „Seine persönliche Entwicklung ist erstaunlich und gut und freut uns alle.“

Die entscheidende Wertung seiner Arbeit dürfte jedoch erst am Ende dieser Saison stehen. „Henrik steht wie alle bei Alba unter Druck“, sagt Harnisch. Falls Alba zum vierten Mal in Folge nicht Deutscher Meister werden sollte, könnte sich die Beurteilung von Rödls Arbeit noch einmal ändern.

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