Sport : „Deshalb musste ich hin“

Warum Herthas Manager Hoeneß beim Pokalspiel in Koblenz auf den Platz stürmte und mit Marcelinho aneinander geriet

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - In einem hellblauen Hemd mit Kragen und Hertha-Aufnäher steht Marcelinho vor der Geschäftsstelle von Hertha BSC. Die Sonne brennt, es ist sehr heiß – Herthas Mittelfeldspieler wischt sich den Schweiß von der Stirn. Doch der Brasilianer hat es nicht eilig, er nimmt sich viel Zeit an diesem Sonntagnachmittag, um alle Fragen zu beantworten. Fragen zu Herthas 3:2-Sieg nach Verlängerung in der ersten Runde des DFB-Pokals bei TuS Koblenz, vor allem aber zu seiner Auseinandersetzung mit Manager Dieter Hoeneß. Nach dem Abpfiff in Koblenz war Marcelinho noch ohne ein Wort in die Kabine gesprintet.

Vor dem Beginn der Verlängerung hatte Hoeneß gestikulierend auf Marcelinho eingeredet, der zuvor zwei Konterchancen ausgelassen hatte. Daraufhin schleuderte der Brasilianer seine Wasserflasche heftig zu Boden. Als Marcelinho in der Verlängerung dann das Tor zum 2:2 erzielte, jubelte er nicht, sondern lief mit erhobenem Zeigefinger auf Hoeneß zu. Andreas Neuendorf musste ihn zurückhalten. „Der Manager weiß schon, was ich damit gemeint habe“, sagte Marcelinho. „Ich war beleidigt, denn ich habe Persönlichkeit. Und das habe ich mit meinem Tor gezeigt.“ Er habe sich ungerecht behandelt gefühlt. „Ich habe ein paar Bälle verloren. Aber es sind noch zehn andere Spieler auf dem Feld, die auch Kritik verdient haben.“

Einzig über das, was Dieter Hoeneß auf dem Spielfeld zu ihm gesagt hat, wollte Marcelinho keine Auskunft geben. Dafür erzählte es Hoeneß: „Ich habe ihm gesagt, dass er in die Zweikämpfe gehen muss. Er hat zu oft den Fuß weggezogen. Wir haben uns das zu oft gefallen lassen, deshalb musste ich hin.“ Marcelinhos wilde Gestik hat den Manager nach eigener Angabe nicht so recht gestört. „Es ist doch klar, dass er sauer war. Aber auf dem Platz hat er Charakterstärke gezeigt und reagiert wie ein Champ. Für mich ist die Sache gegessen“, sagte Hoeneß.

Herthas Trainer Falko Götz legte Wert auf die Feststellung, dass auch er auf Marcelinho eingeredet hatte, der in der Verlängerung wesentlich stärker spielte als zuvor. „Nicht nur der Manager hat mit ihm gesprochen“, sagte Falko Götz. Außerdem hätten er und Dieter Hoeneß auch auf andere Spieler als Marcelinho eingeredet. „Aber er ist unser Schlüsselspieler. Und wie man in der Verlängerung sehen konnte, hat es gewirkt“, sagte Falko Götz. In der Verlängerung spielte Hertha BSC plötzlich wieder druckvoll, so wie in den ersten 20 Minuten der Begegnung.

Ein paar Minuten nach dem frühen Führungstor durch Herthas Kapitän Arne Friedrich hatten die Berliner sehr schwach gespielt und Koblenz zu vielen Torchancen kommen lassen. „Wir haben keinen Fußball mehr gespielt“, sagte Innenverteidiger Dick van Burik, „das macht mich stinksauer.“ Torwart Gerhard Tremmel war dank vieler Paraden der beste Spieler seines Teams. Im Spiel bei Bayern München in einer Woche wird der Eratzkeeper wohl wieder im Tor stehen. „Das andere wäre ein zu hohes Risiko“, sagte Götz. Stammtorwart Christian Fiedler ist nach seiner Verletzung am Ellbogen noch nicht fit genug. Auch Mittelfeldspieler Gilberto wird wegen seines noch nicht ausgeheilten Muskelfaserrisses nicht spielen können. „Ich plane ohne ihn“, sagte Götz.

Dafür ist Marcelinho wieder fit, der in Koblenz noch humpelte. Er hatte einen Schlag auf die Wade bekommen. „Über Nacht ist es besser geworden“, sagte der 30-Jährige. Auch seine Stimmung hatte sich über Nacht ein wenig gebessert. Wirklich diplomatisch äußerte Marcelinho sich zwar nicht. Immerhin wünschte er sich am Ende aber noch, dass der Klub und er „weiter gut zusammenarbeiten“. Der 18-jährige Kevin-Prince Boateng, der überraschend in Herthas Mittelfeld beginnen durfte und ein gutes Spiel machte, sagte, „dass es am Ende nur wichtig ist, dass wir gewonnen haben.“

Trainer Götz sah das etwas anders: „Über diesen Sieg wird noch zu reden sein“, sagte er sofort nach dem Spiel. Der Trainer bemängelte, wie schon oft, die fehlende Sieger-Mentalität seiner Mannschaft. „Wir werden über die Ursachen sprechen müssen“, sagte Götz. „Und wenn das nicht hilft, dann muss ich Maßnahmen androhen. Und wenn das nicht hilft, dann muss ich diese Maßnahmen umsetzen.“ Was genau Herthas Trainer damit meinte, blieb ungeklärt.

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