Detlef Kornett im Interview : "Wir nehmen die Fans ernst"

Anschutz-Europachef Detlef Kornett über Freezers, Eisbären und die Bierpreise in der Großarena.

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Duell der Gegensätze. Freezers gegen Eisbären.Foto: dpa

Herr Kornett, Ihre Eltern sind Anhänger der Freezers. Droht am Sonntag ein Familienstreit im Hause Kornett?



Meine Eltern? Die kommen am Sonntag zum Spiel nach Berlin. Mit Schal, Trikot, dem ganzen Programm ...

... und der Eisbären-Fan Detlef Kornett kommt mit Eisbären-Schal ...

Nein, ich bin neutral. Für mich hat das Spiel informativen Charakter: Ich kann mir ein Bild über den aktuellen Zustand beider Teams machen.

Nicht nur für Sie, sondern auch für viele Fans beider Lager ist das Spiel ein kleiner Saisonhöhepunkt. Wie sieht das der Europa-Chef vom Eigner? Wie hat sich das Firmenduell entwickelt?

Mit dem Umzug nach Hamburg ist aus dem Firmenduell ein Derby geworden. Und wie das bei einem Derby so ist, gewinnt inzwischen nicht immer nur der Favorit. Das war bis vor drei Jahren anders: Als die Freezers nicht nur die München Barons sondern auch Deutscher Meister waren, haben die Eisbären keinen Stich bekommen. Dann hieß es Eisbären gegen Freezers und meist gewannen die Eisbären. Heute ist das Duell schwer zu tippen.

Während es bei den Eisbären nicht erst seit dem Umzug in die neue Halle gut läuft, haben die Hamburger größere sportliche Probleme denn je. Warum kann sich Geschäftsführer Boris Capla seines Jobs trotzdem so sicher sein?

Boris Capla hat über die Jahre für uns einen guten Job gemacht, auch wenn das nach außen manchmal anders wirkt. Unter ihm gib es wirtschaftlich keine negativen Überraschungen, Kostenkontrolle ist eine seiner großen Stärken.

Der sportliche Teil ist in Hamburg allerdings weniger stark. Die Freezers sind in der Tabelle weit abgeschlagen, scheinen keine Linie zu haben und haben in sechs Jahren 120 Spieler beschäftigt Was passiert, wenn Hamburg nicht zumindest die Play-offs erreicht?

Ich bin Optimist, daher stellt sich die Frage für mich erst mal nicht. Aber es ist auch so, dass wir für die Saison eine sportliche Entwicklung vorgesehen und entsprechende Ziele formuliert hatten. Nach der Saison werden wir das Ist mit dem Soll abgleichen und gegebenenfalls handeln.

Was heißt das?

Ich werde jetzt hier keine konkreten Ziele vorgeben.

Mit mancher Entwicklung können Sie aber kaum zufrieden sein. In Hamburg sind die Zuschauerzahlen in dieser Saison stark gesunken, was mit dem sportlichen Misserfolg zusammenhängt.

Wie gesagt, nach der Saison ...

Im Gegensatz zu den Freezers haben die Eisbären keine Probleme mit dem Publikum. Sie haben fast 14 000 Besucher im Schnitt. Erstaunt Sie das?

Erstaunt nicht, weil dahinter ein Plan steht, den wir sehr gründlich mit den Eisbären vorbereitet haben. Aber ich bin glücklich, dass der Plan aufgegangen ist. Es gibt natürlich Dinge, die nicht planbar sind. Das erste Heimspiel gegen Augsburg zum Beispiel hätte ich so nicht zu träumen gewagt. Das hat schon sehr geholfen. Auch wie die Fankurve mit den anderen Zuschauern zusammenspielt, ist toll.

In der Fankurve wird weiterhin „Ost-Ost-Ost-Berlin“ gesungen, wie im Wellblechpalast. Wie sehr ist der Klub in ganz Berlin angekommen?

Der Umzug in die O2-World ist der letzte Schritt zum Gesamtberliner Klub. Im Wellblechpalast haben die Eisbären attraktives Eishockey gespielt. Jetzt tun sie das auch in einem attraktiven Umfeld, das für ein neues Publikum interessant ist. Wir können Spiel und Stimmung ganz anders verstärken und Eishockey völlig neu inszenieren. Man sitzt gut, man sieht gut, man hat keine Wartezeiten am Bier- und Wurststand. Die Verkehrsanbindung erweitert das Einzugsgebiet. Das alles ist für unsere neuen Besucher wichtig. Im Wellblechpalast waren die Sitzplätze so rar, dass man keine Ermäßigungen für Kinder einräumen konnte. Mit dem Umzug sind die Eisbären automatisch familienfreundlicher geworden.

Familienfreundlich? Die Preise an den Verpflegungsständen können Sie kaum meinen. Zuletzt wurden die Bierstände von den Stehkurvenfans boykottiert, 3,60 Euro für 0,4 Liter Bier sind vielen zu teuer. Wird der Fan abgezockt? Wie ernst nehmen Sie die Proteste?

Der Preis für das Bier ist im nationalen Vergleich und für das Angebot angemessen. Aber natürlich nehmen wir die Fans ernst. Deswegen haben wir ja auch schon im September die Bierbonhefte eingeführt und vor kurzem den Bratwurst- preis gesenkt. Die Fans haben ja teilweise gute Ideen, die wir auch einbeziehen wollen, aber manchmal braucht die Umsetzung auch Zeit.

Zum Schluss, mal unter uns: Für wen schlägt Ihr Herz am Sonntag?

Unter uns: Am Sonntag habe ich die Kraft der zwei Herzen.


Das Gespräch führte Claus Vetter.

Detlef Kornett, 45, ist Europachef der Anschutz-Gruppe, die auch Eigner der Eisbären Berlin und der Hamburg Freezers ist. Kornett sitzt zudem im Aufsichtsrat der Deutschen Eishockey-Liga.

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