Sport : Detlef Schrempf: Die Alarmuhr tickt nicht mehr

15 Jahre in der nordamerikanischen Profiliga NBA sind genug. Detlef Schrempf, der erfolgreichste deutsche Basketballer aller Zeiten, in den USA bekannt geworden als der "beste deutsche Import seit dem Volkswagen", hat sich von seinem Sport verabschiedet. Wie er sagt, für immer. Die Aussichten, doch noch den begehrten Ring für den Gewinn der Meisterschaft überstreifen zu können, sind nicht mehr groß genug, eine weitere strapaziöse Saison mit stundenlangen Flügen und an die hundert Spielen auf sich zu nehmen. Schrempf allerdings begründete seine Entscheidung auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Portland, wo er zuletzt engagiert war und eigentlich noch einen Vertrag bis zum Jahr 2001 hatte, so: "Ich will mich mehr um meine Familie kümmern."

Schrempf bestritt in der besten Basketball-Liga der Welt 1110 reguläre Spiele und 155 Play-off-Begegnungen. Er begann seine NBA-Karriere 1985 bei den Dallas Mavericks. Später wechselte Schrempf zu den Indiana Pacers, dort machte er sich vor allem einen Namen, weil er zum "besten sechsten Mann" der Liga gewählt wurde, zum besten Spieler also, der von der Bank kommt. Seine erfolgreichste Zeit allerdings erlebte der gebürtige Leverkusener anschließend bei den Seattle SuperSonics. Und der Höhepunkt seiner Karriere waren sicher die Finalspiele mit den SuperSonics 1996 gegen die Chicago Bulls mit Mega-Star Michael Jordan, in denen das Team von der Westküste allerdings knapp unterlegen war.

Schon seit längerem hat der Ex-Nationalspieler über das Ende der Laufbahn nachgedacht und für die Zeit danach vorgesorgt. Schrempf baut sich derzeit ein Unternehmen in der Finanz- und Investmentbranche auf und hat im vergangenen Sommer 30 Prozent Anteile am französischen Basketball-Erstligisten Olympique Antibes erworben. Er ist außerdem sozial sehr engagiert und unterstützt hilfsbedürftige Kinder. Schrempf hat selbst zwei Söhne und ist mit Mary Wagner verheiratet, einer ehemaligen Deutschen Meisterin über 400 m Hürden, die er im "aktuellen Sportstudio" kennengelernt hat.

Portlands-Coach Mike Dunleavy bedauerte die Entscheidung des Deutschen. "Detlef sagte mir, dass seine innere Alarmuhr nicht mehr ticken würde. Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm alles Gute", meinte der Trail-Blazers-Coach. Schrempfs Lebensmittelpunkt werden die USA bleiben, wo er vor zwanzig Jahren zu studieren begann und durch seinen Sport ein reicher Mann wurde. In Kürze will er die amerikanische Staasbürgerschaft annehmen. Nach Deutschland zog es ihn nur selten, meistens in Verbindung mit PR-Terminen seines Ausrüsters adidas.

Schrempf, der beim olympischen Turnier in Barcelona 1992 zuletzt das Trikot der deutschen Nationalmannschaft getragen hatte, erzielte in seiner langen US-Karriere 14,2 Punkte im Durchschnitt, holte 6,3 Rebounds und gab 3,4 Vorlagen zu Korberfolgen (Assists). Durch seine zurückhaltende Art war der Deutsche in der amerikanischen Öffentlichkeit sehr beliebt und geachtet. Dreimal wurde er in das All-Star-Game der besten Spieler der NBA berufen. In seine Rolle könnte der Würzburger Dirk Nowitzki schlüpfen, der demnächst seine dritte Saison bei den Dallas Mavericks absolviert und in den vergangenen zwei Jahren in den USA ebenfalls zu einem Star geworden ist, der dennoch sympathisch und bescheiden blieb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar