Detroit - Pittsburgh : NHL-Finale: Spiel mit der Geschichte

Die Detroit Red Wings kämpfen am Freitagabend gegen die Pittsburgh Penguins im entscheidenden siebten Endspiel um den Stanley Cup. Es ist ein historisches und ungleiches Duell.

Katrin Schulze
Stanley Cup Finals - Detroit Red Wings v Pittsburgh Penguins - Game Six
Viel Wirbel um einen Titel. Crosby (li.) und Detroits Nicklas Lidström.Foto: AFP

Es ist das größte anzunehmende Spektakel. Wenn die Mannschaften am Freitagabend auf das Eis der Joe Louis Arena fahren, geht es für sie in 60 Spielminuten um alles. Eine komplette Saison in der nordamerikanischen EishockeyProfiliga NHL reduziert sich dann auf ein einziges Spiel. Mehr als 100 Partien haben die Pittsburgh Penguins und die Detroit Red Wings bislang in dieser Saison absolviert – und nun entscheidet eine einzige über den Gewinn der Meistertrophäe, den seit 1894 ausgespielten Stanley Cup. 3:3 steht es zwischen den Kontrahenten aus Detroit und Pittsburgh nach sechs Finalspielen der Best-of-seven-Serie.

Eine Dramatik, die in keinem Drehbuch besser hätte inszeniert werden können. Deshalb waren die Tickets für das siebte und entscheidende Finale in Detroit auch binnen kürzester Zeit ausverkauft. Wer bereit ist, etwa 650 Dollar für einen mäßigen Platz im Oberrang hinzublättern, hat bei den vielen Händlern noch gute Chancen auf ein Ticket. Für mehr 8000 Dollar bekommt der solvente Eishockey-Fan in der 20.000 Zuschauer fassenden Arena einen Sitz mit ansprechender Sicht. „Die ganze Region ist völlig außer sich“, sagt Detroits Trainer Mike Babcock. „Schließlich haben viele Menschen hier in letzter Zeit nur wenig Grund zur Freude gehabt.“

Die Aussicht auf die zwölfte Meisterschaft der Red Wings ist für die Bewohner im US-Bundesstaat Michigan sozusagen das sportliche Gegengewicht zur wirtschaftlichen Krise, die das Gebiet in und um die Autostadt Detroit in den jüngsten Jahren durchlebt hat. Doch das NHL-Finale ist mehr als das: Wenn die Penguins am Freitagabend (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) gegen die Red Wings spielen, treffen die beiden dominierenden Teams der vergangenen zwei Jahre aufeinander. Schon in der vorigen Saison machten sie den Titel unter sich aus – eine Rarität in der abwechslungsreichen NHL-Geschichte. Zuletzt gab es das vor 25 Jahren.

„Daran kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Don Jackson mit einem breiten Grinsen. Der jetzige Trainer der Eisbären Berlin spielte damals mit einem aufstrebenden, gut 20 Jahre alten, Talent namens Wayne Gretzky für die Edmonton Oilers. 1984 holten sie gegen die New York Islanders den Silberpott, nachdem sie den New Yorkern ein Jahr zuvor im Finale unterlegen waren. „Wir haben die Islanders mit unserer jugendlichen Frische im zweiten Endspiel überrollt“, sagt Jackson. „Vielleicht wird es dieses Mal ähnlich.“ In der Tat drängt sich die Parallele beinahe auf.

Erfahrung gegen Jugend. Während Detroit mit einem betagten Kader um den immerhin 47 Jahre alten Chris Chelios antritt, kommen die dynamischen Pittsburgher mit jugendlicher Aufsässigkeit daher. Allen voran mit dem 22-jährigen Russen Jewgeni Malkin und ihrem 21 Jahren alten kanadischen Kapitän Sidney Crosby – beide führen die Scorer-Liste in den Play-offs an. Und wollen nun nachholen, was sie mit den Penguins im vergangen Jahr im sechsten Endspiel aus der Hand gegeben haben. „An voriges Jahr denken wir schon lange nicht mehr“, sagt Crosby. „Wir haben bis hierhin überlebt und nun eine einzigartige Möglichkeit.“
Eine Möglichkeit, gegen die allerdings die Statistik spricht.

Bisher setzte sich in der Endspiel-Serie immer die Heim-Mannschaft durch. Vorteil Detroit? „Natürlich kann ein Heimspiel der gastgebende Mannschaft normalerweise einen zusätzlichen Schub verpassen,“ sagt Pittsburghs Coach Dan Bylsma. „Aber in einem siebten Finalspiel ist nichts normal.“

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