Sport : „Deutsche darf man nie abschreiben“

Schwimmstar Michael Phelps über die WM, seinen Freund Ian Thorpe und Haifischflossensuppe

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Michael Phelps, bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Melbourne haben Sie mit sieben Goldmedaillen die Konkurrenz überragt. Gehen die Leute nun anders mit Ihnen um?

Schauen Sie mich nun anders an? Nein. Ich bin immer noch derselbe. Das war eine sehr erfolgreiche WM für mich, genauso wollte ich in die Saison vor den Olympischen Spielen 2008 starten. Hoffentlich können wir noch einige Dinge ändern und nächstes Jahr noch etwas schneller sein.

In der Formel 1 hat Fernando Alonso gesagt, er sei froh, Weltmeister geworden zu sein als Michael Schumacher noch an den Start ging. Sie haben gesagt, Sie wären froh, wenn Ian Thorpe für die Spiele in Peking zurückkehren würde. Wäre ein Sieg wertvoller, wenn Sie gegen ihn gewinnen würden?

Wir beide hatten bei unseren Wettkämpfen nur ein Rennen direkt gegeneinander. Natürlich würde ich gerne noch mal gegen Ian Thorpe die 200 Meter Freistil schwimmen. Es ist ein bisschen enttäuschend. Es ist schon schade, dass ich damals nicht in der Lage war, zu gewinnen.

Was denken Sie über die Dopinggerüchte um Ian Thorpe?

Das ist schon hart. Ian Thorpe und ich waren immer gute Freunde und gute Konkurrenten. Ich hoffe das Beste für ihn. Ich hab nicht wirklich viel darüber gehört. Ich habe versucht, mich in Melbourne auf meine eigenen Rennen zu konzentrieren. Aber auf jeden Fall unterstütze ich Ian Thorpe.

Wie beurteilen Sie das Auftreten des deutschen und auch des chinesischen Schwimmteams bei der WM? Beide wurden ja von den Medien in ihren Ländern für ihr enttäuschendes Abschneiden kritisiert.

Die Deutschen sind immer zur Stelle, die darf man nie abschreiben. Ich bin überzeugt, es wird ein guter Sommer nächstes Jahr und alle werden schnell sein. Die Chinesen werden definitiv schneller sein als dieses Jahr, schließlich finden die Spiele in China statt.

Einer ihrer härtesten Konkurrenten ist Wu Peng, Silbermedaillengewinner in Melbourne über 200 Meter Schmetterling. Nun kann man in chinesischen Zeitungen lesen, dass er in den USA mit Ihnen trainieren will. Haben Sie schon darüber gesprochen?

Das höre ich heute zum ersten Mal. Wir hatten schon einige gute gemeinsame Wettkämpfe. Wu Peng scheint ein guter Kerl zu sein, ein wirklich guter Konkurrent. Ich freue mich schon auf das nächste Rennen. Aber ich entscheide nicht, wer mit uns trainieren kann. Das hängt vom Trainer ab, aber ich denke, wir könnten beide viel daraus lernen. Das wäre ein Spaß, er ist einer der besten Schwimmer in der Welt.

Sie sind derzeit als Botschafter der Special Olympics, der Olympischen Spiele der geistig Behinderten, in China. Es hieß aber auch, dass Sie in Vorbereitung auf die Spiele in Peking auch eine Art kulturelles Training machen. Schließlich ist China völlig anders als die westliche Welt.

Es ist cool, auch die Unterschiede zu sehen, die eher westlichen Teile in Peking mit McDonalds, Starbucks und so weiter und die andere Seite. Wir haben aber auch die kulturellen Unterschiede beim Essen gesehen, einmal hatten wir Haifischflossensuppe zum Mittagessen, chinesische Klöße, Ente und einiges, das ganz anders als erwartet aussah. Ich hätte es aber auch auf keinen Fall probiert. Es war ein Spaß, eine neue Erfahrung und wird uns nächstes Jahr helfen. Wir wissen jetzt, was uns in China erwartet.

Das Gespräch führte Frank Hollmann in Peking.

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