Sport : DEUTSCHE EISHOCKEY-LIGA: Capitals holen Stefan Ustorf

SVEN GOLDMANN

Der Trainersohn belebt den Angriff und belastet den EtatVON SVEN GOLDMANN BERLIN.Den Jean-Marc Bosman haben Deutschlands Eishockey-Nationalspieler ein ums andere Mal verflucht.Vorbei sind die goldenen Zeiten mit jährlichen Nettogehältern um die 300 000 Mark, seit der belgische Fußballspieler im Dezember 1995 vor dem Europäischen Gerichtshof das grenzenlose Recht auf Arbeit für Sportler in der EU erstritten hat.Seitdem purzeln Gehälter und Karrieren.Der Berliner Jan Schertz etwa spielt künftig wie der einstige Düsseldorfer Großverdiener Ernst Köpf zweitklasig in Heilbronn, der Nürnberger .Torsten Kienaß hat zwei Monate vor dem Start in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch gar keinen neuen Verein gefunden.Und plötzlich kommt Stefan Ustorf, und alles scheint so zu sein wie früher.Gestern gaben die Berlin Capitals den Zugang des zuletzt in Nordamerika tätigen Nationalspielers bekannt.Und der spielt gewiß nicht für ein Taschengeld. Im Juni 1995, als von einer Öffnung des deutschen Marktes noch keine Rede war, hatte Stefan Ustorf unter großem Tamtam einen Dreijahresvertrag bei den Preussen Devils unterschrieben, gültig vom Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Deutschland.Das ganze war damals mehr als PR-Gag für die aus dem BSC Preussen hervorgegangenen Devils gedacht.Ustorf hatte gerade den Durchbruch bei den Washington Capitals geschafft und wähnte sich vor einer großen Karriere in der NHL.Noch im vergangenen Sommer, als er zur Vorbereitung auf den World Cup bei den Capitals trainierte, tönte der Stürmer, "daß ich nicht nach Berlin will, und das wissen die Berliner auch". Seitdem ist einiges passiert.Die Preussen Devils heißen Berlin Capitals, und Stefan Ustorf ist in Washington durchgefallen.Aber er hat aber noch den vor zwei Jahren unterzeichneten Vorvertrag in der Tasche, und der garantiert ihm angeblich 330 000 Mark jährlich - netto, versteht sich.Damit zählt der 23jährige zu den bestbezahlten DEL-Profis überhaupt. Auf den ersten Blick schmerzt so eine Ausgabe die von finanziellen Problemen gebeutelten Berliner.Auf den zweiten ist es ihre vielleicht letzte Chance, mit einem prominenten Namen den Dauerkartenverkauf anzukurbeln und einen zahlungskräftigen Hauptsponsor an Land zu ziehen.Peter Ustorf, in Personalunion geschäftsführender Capitals-Trainer und Vater des neuen Stars, sieht das offiziell ganz anders: "Es hat Wochen gedauert, meinen Sohn davon zu überzeugen, daß seine sportlichen Perspektiven bei den Berlin Capitals besser sind als bei einem NHL-Team in der dritten oder vierten Sturmreihe." Und: "Mit Stefans Verpflichtung kann ich allen Fans zeigen, daß ich von der sportlichen Zukunft der Capitals überzeugt bin und kein Grund zu all dem Pessimismus der letzten Wochen besteht." Zwiespältige Gefühle dürfte die kostspielige Verpflichung des Stefan Ustorf bei den alteingesessenen Berliner Spielern hervorrufen.Sie müssen, wie berichtet, nach einer dubiosen Übereinkunft der Capitals mit dem Finanzamt für Körperschaftssteuer bis zu 70 000 Mark Steuern nachzahlen und hätten deswegen für das Jahresgehalt ihres neuen Stars wohl einen andere Verwendung vorgeschlagen.

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