Deutsche Eishockey-Liga : Die Eisbären riskieren ihren Play-off-Platz

Immer wieder verspielen die Eisbären Berlin in der Schlussphase Führungen und Punkte. Am Sonntagnachmittag tritt das Team von Trainer Uwe Krupp in München an.

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Schwarzer Abend im Schwarzwald. Marcel Noebels (li.), Frank Hördler (Mi.) und Petri Vehanen nach einem Schwenninger Tor.
Schwarzer Abend im Schwarzwald. Marcel Noebels (li.), Frank Hördler (Mi.) und Petri Vehanen nach einem Schwenninger Tor.Foto: Imago

Es scheint so, als sei Uwe Krupp auf dem Wege, den Glauben an die Qualitäten seiner Mannschaft zu verlieren. Und das will was heißen bei dem Mann, der im internationalen Eishockey einiges erlebt hat. Eine Mannschaft, die es mit erschreckender Zuverlässigkeit schafft, Punkte in der Schlussphase zu verschenken, die hat Krupp als Trainer noch nicht betreut. 3:0 hatten die Eisbären am Freitag geführt beim Tabellenletzten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und es trotzdem noch geschafft, gegen die Schwenninger Wild Wings 3:4 nach Verlängerung zu verlieren. Für Krupp eine Katastrophe: „In der jetzigen Situation können wir uns das nicht erlauben und eine reife Mannschaft weiß auch, mit so einer Situation umzugehen.“

"Wir können uns das nicht erlauben", sagt Trainer Uwe Krupp

Drei Spieltage vor Ende der Hauptrunde ist die Mannschaft ohne Reife wohl nur noch reif für die Pre-Play-offs. Die Eisbären müssen am Sonntag bei RB München (16.30 Uhr) wohl gewinnen, um noch vom achten Tabellenplatz auf den sechsten vorstoßen zu können Nur dann wären sie direkt für die Play-offs qualifiziert. Doch auf Rang sechs liegt Iserlohn mit fünf Punkten Vorsprung. An sich wäre das noch aufzuholen, zumal die Roosters am letzten Spieltag noch in Berlin antreten – gemessen an den jüngsten Vorstellungen der Eisbären wäre es aber eine Sensation: Denn immer wieder schafften es die Berliner zuletzt, sich in den Schlussphasen durch Undiszipliniertheiten selbst zu schlagen. Gegen Nürnberg kassierten sie in Unterzahl nach 2:0-Führung noch das 2:2, holten nach Penaltyschießen zumindest noch den Zusatzpunkt. In Mannheim führten sie bis sechs Minuten vor Schluss 2:1 und blieben am Ende bei einer 2:3-Niederlage ohne Punkte. In Schwenningen nun wackelten und fielen sie nach einer Matchstrafe von Jimmy Sharrow im letzten Drittel. Es lief wieder so wie seit Wochen. Krupp sagte bereits vor dem Spiel in Schwenningen: „Wir haben zuletzt zu viele Strafzeiten genommen, durch Undiszipliniertheiten oder durch Nachschlagen. Schon gegen Wolfsburg hat uns das ein Ding gekostet. Ich weiß nicht, ob das jetzt zehn Spiele waren, aber das war ein paar Mal der Fall.“

Es wirkt so, als würden die Eisbären ihrem jähen Saisonende entgegentaumeln. Die Spieler schleppen die vielen Negativerlebnisse mit sich herum, vom Kopf her wirkt kaum einer richtig locker. Sicher, zum Teil ist die Mannschaft über ihren Zenit hinaus oder auch noch zu jung. Erstaunlich aber ist, dass von der mentalen Stärke des einstigen Serienmeisters wenig übrig geblieben ist. Die angestammten Kräfte haben zurzeit fast durchweg Probleme. Das ist besonders auffällig, weil das in dieser Saison gekommene Personal – Torhüter Petri Vehanen und die Stürmer Marcel Noebels, Antti Miettinen und Petr Pohl – meist noch überzeugen kann.

Das Erreichen der Play-Offs ist substanziell für die Eisbären

Für die Eisbären ist das Erreichen des Viertelfinales substanziell. Noch sind sie klar das beliebteste Team in Berlin außerhalb des Fußballs, sie konnten ihren Zuschauerschnitt trotz sportlicher Tristesse in dieser Saison steigern – auch bedingt durch den Trainerwechsel von Jeff Tomlinson zu Uwe Krupp. Aber auch der Trainer würde durch ein frühes Saisonende unter dem Druck stehen, es kommende Spielzeit besser machen zu müssen. Und das würde in jeder Hinsicht schwer. Denn die Eisbären könnten mit einer zweiten schwachen Saison in Serie nicht nur den Respekt bei der Gegnerschaft verspielt haben, sondern auch Kredit bei ihren Anhängern. Dauerhaft im Mittelmaß, das kommt in Berlin eher nicht gut an.

Nach den kommenden Wochenende beginnen die Pre-play-offs. Sie könnten eine enge Geschichte werden für die Eisbären. Als Hoffnung bleibt, dass mögliche Gegner wie Nürnberg, Köln oder Krefeld zurzeit auch ohne Konstanz spielen. Aber die Berliner sollten mindestens Platz acht sichern, um wenigstens ihre Heimstärke in der nur maximal drei Spiele langen Serie ausspielen zu können. Düsseldorf und Iserlohn treten am kommenden Wochenende in Berlin an. Marcel Noebels sieht da noch Chancen – für das große Ziel Platz sechs sogar. „Der Heimvorteil könnte helfen“, sagt er. „Aber nur, wenn wir vorher unsere Hausaufgaben gemacht haben.“ Also einmal über 60 Spielminuten überzeugen. Der Tabellenzweite aus München und sein Trainer Don Jackson, der mit fünf gewonnenen Meistertiteln für die bislang letzte große Ära der Eisbären steht, werden heute etwas dagegen haben.

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