Deutsche Eishockeymeisterschaft : Den Eisbären fehlt noch ein Sieg zum Titel

Bereits am Mittwoch können die Eisbären Berlin wieder deutscher Eishockeymeister werden. Am Montag besiegten sie die Düsseldorfer EG 5:1 und führen nun in der Best-of-five-Serie 2:1.

Claus Vetter
DEL-Finale Eisbären Berlin - DEG Metro Stars
Am Ende jubelten die Eisbären. Die Berliner in der Finalerie der Vorsaison.Foto: dpa

Es war ein amüsanter und hochklassiger Eishockeymontagnachmittag in der Berliner Großarena. Für den Witz im Spiel waren die Herren Willi Schimm und Roland Aumüller verantwortlich. Das Schiedsrichtergespann bewies eine erstaunlich große Affinität für Fernsehbilder. Das Duo bemühte auch bei noch so klaren Toren den Videobeweis. Doch nicht nur deshalb war die Faktenlage klar, zu groß war die Dominanz der Eisbären: 32 Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga haben die Berliner in ihrer neuen Arena hinter sich und es ist gut möglich, dass sie dort am Montag ihr letztes Saisonspiel hatten. Denn nach dem 5:1 (1:1, 4:0, 0:0) über die Düsseldorfer EG führen sie in der Best-of-five-Finalserie 2:1 und können mit einem Erfolg am Mittwoch in Düsseldorf ihren vierten nationalen Meistertitel gewinnen.

Es war alles wie immer bei einem Eishockey-Finalspiel in Berlin. Karat-Gitarrist Bernd Römer war zu einer krachenden Play-Back-Version der Nationalhymne herumgehüpft. Und als das Gitarrengeschrammel verklungen war, da lagen die Eisbären schon vorn. 89 Sekunden und einen Angriff brauchten sie für das 1:0. Ein Distanzschuss von Nathan Robinson krachte ins Düsseldorfer Tor. 14.200 Zuschauer im ausverkauften Haus hatten es gesehen, nur das Schiedsrichtergespann nicht. Die Herren im schwarzweiß gestreiften Kostüm bemühten tatsächlich den Videobeweis.

Das war eine kleine Belustigung an einem Nachmittag, der danach vorübergehend unlustig für die Eisbären verlief. Denn anstatt nach dem frühen Treffer den Gegner weiter unter Druck zu setzen, ließen die Berliner die DEG beim Spielaufbau in der neutralen Zone ungestört walten. Die Düsseldorfer nutzten den Freiraum zum Ausgleichstreffer. Brandon Reid tauchte allein vorm machtlosen Berliner Torwart Robb Zepp auf und lupfte den Puck ins Tor.

Es war achtbar, wie engagiert sich die Düsseldorfer im ersten Abschnitt präsentiert hatten. Alles deutete auf ein enges Spiel mit flattrigen Eisbären hin und nicht auf das, was sich dann in den ersten zehn Minuten des Mittellabschnittes ereignete. Nur 30 Sekunden waren wieder gespielt, da jubelten die Eisbären schon. Stefan Ustorf benutzte Düsseldorfs Torwart als Bande und Jamie Storr lenkte die Scheibe ins Tor. Doch zu früh gefreut. Videobeweis. Aumüller und Schimm entschieden … auf Tor. Was sonst?

Beim dritten Treffer der Eisbären, nur vier Minuten später durch Denis Pederson erzielt, entschieden die Schiedsrichter sofort auf Tor - unter dem Gejohle der Zuschauer. Die forderten nun lautstark den „Videobeweis“. Aber nun war es auch Aumüller und Schimm zu bunt geworden, für die Düsseldorfer dagegen wurde es nun schön bunt. Brandon Smith traf zum 4:1 für die Eisbären, Andy Roach zum 5:1.

Das Spiel war entschieden, die Zuschauer konnten sich auf die Pausenunterhaltung mit der Berliner Band „Boss Hoss“ freuen. Manche Besucher in der Arena hatten aber schon die gute Laune verloren. Von den vielen Düsseldorfer Fans war nichts mehr zu hören und der wohl prominenteste DEG-Fan im Stadion zog, zu sehen auf dem Fernsehschirm, eine merkwürdig ausführliche Schnute – Schauspielerin Heike Makatsch, Tochter des ehemaligen Düsseldorfer Torwarts Rainer Makatsch, der mit der DEG 1972 und 1975 Deutscher Meister wurde.

Von der Deutschen Meisterschaft 2009 sind die Düsseldorfer seit Sonntag zwei Siege weit entfernt. Bei ihnen offenbarte sich im letzten, torlosen Drittel schon ein deutlicher Kräfteverschleiß, schließlich haben die DEG-Profis auch schon vier Play-off-Spiele mehr hinter sich als die Berliner. Ihr Trainer aber wollte davon nichts hören. „Die vielen Fragen nach unserer angeblichen Müdigkeit finde ich ermüdend“, sagte Harold Kreis. „Wir waren heute nicht müde, die Berliner waren einfach besser.“ So sah es auch deren Trainer. „Trotzdem war das Spiel enger, als es das Resultat aussagt“, fand Don Jackson. „Wir müssen nun für das vierte Spiel das Momentum auf unserer Seite halten.“

Momentum hin oder her: Prognosen für den Mittwoch verbieten sich. Die DEG hat ihre Heimstärke schon in Finalspiel zwei am Sonnabend, beim 3:1 gegen die Eisbären, bewiesen. Und sicher wird Düsseldorfs Trainer Kreis das vierte Spiel per Video studieren, um etwaige Schwächen des gestern klar überlegenen Gegners auszuloten. Die Schiedsrichter Schimm und Aumüller dagegen können sich das wohl sparen. Sie haben ja gestern schon viel vom dritten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft im Fernsehen gesehen.

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