Deutsche Eishockeymeisterschaft : Eisbären erreichen das Finale

In einem dramatischen Spiel setzen sich die Eisbären in Mannheim nach 2:4-Rückstand 6:4 durch. Damit gewinnen die Berliner die Best-of-five-Serie gegen die Adler 3:1 und spielen ab Donnerstag gegen Hannover oder Düsseldorf um die Meisterschaft.

Katrin Schulze[Mannheim]
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Mannheim am Boden. Alexander Weiß erzielt das 1:0 für die Eisbären.Foto: dpa

Sven Felski verschwand in einer Traube weiß gekleideter Männer. Das Grüppchen in der schweren Eishockeyausrüstung hüpfte, grölte und jubelte ausgelassen. 16 Sekunden vor der Schlusssirene setzten die Spieler der Eisbären Berlin vor 13.600 Zuschauern in der ausverkauften Mannheimer Arena zu einer kleinen Eisparty an. Gerade hatte der dienstälteste Berliner Profi eine abwechslungsreiche und spannende Halbfinalbegegnung gegen die Adler Mannheim entschieden. Sein Tor zum 6:4 (2:2, 1:2, 3:0)-Erfolg der Eisbären ermöglichte dem Team von Don Jackson die fünfte Finalteilnahme im sechsten Jahr – eine beachtliche Bilanz.

Gegen wen die Berliner in der am Donnerstag beginnende Best-of-five-Finalserie antreten, entscheidet sich erst am Dienstag. Am Sonntag glich die Düsseldorfer EG in der Serie gegen die Hannover Scorpions zum 2:2 aus. Die DEG siegte ein wenig glücklich 4:3 nach Verlängerung. Zum fünften Spiel müssen die Düsseldorfer nun in Hannover antreten.

Die Berliner erwischen einen guten Start

Schon zu Beginn der Partie gegen die Adler gab Felski den entscheidenden Impuls an seine Teamkollegen: In der vierten Minute spielte der 34 Jahre alte Eisbären-Stürmer Dan McGillis gekonnt aus und seinen Kollegen Alexander Weiß an. Der hatte dann keine Mühe, den Puck nach einem kurzen Tanz vor Mannheims Torwart Fredrick Brathwaite zum 1:0 einzuschießen - eine äußerst sehenswerte Darlegung der Berliner Spielkunst.

Es schien, als könnten die Gäste ihre spielerische Überlegenheit, mit der sie die Adler schon im dritten Halbfinalspiel bezwungen hatten, auch diesmal nutzen. Mit Schnelligkeit und Offensivdrang imponierten sie den etwa 400 mitgereisten Fans.

Doch auch die Adler zeigten, dass sie diesmal durchaus zum Mitspielen aufgelegt waren. „Es war das erste Spiel der Serie, in der Mannheim vernünftiges Eishockey bot“, sagte Felski. Überzeugten sie in den vergangenen Partien insbesondere mit körperlicher Härte, fokussierten sich die Mannheimer am gestrigen Nachmittag auch auf einen konstruktiven Spielaufbau. Mit Erfolg: In der elften Minute überwand Jason King Berlins Torhüter Rob Zepp mit einem Schuss durch die Beine und initiierte damit eine packende Play-off-Partie.

Die Berliner brauchten danach schon eine doppelte Überzahlsituation, bis Verteidiger Richie Regehr einen seiner wuchtigen Schüsse aus der Ferne im Tor platzieren konnte: das 2:1. Von diesem Vorsprung des Gegners zeigten sich die Adler allerdings gänzlich unbeeindruckt. Als sich die Eisbären offenbar gedanklich schon in der Kabine befanden, konterten die Gastgeber vor der ersten Drittelpause in Person von Jason Jaspers erneut. Angetrieben von ihren tosenden Fans begriffen die Adler, dass sie mit dem Deutschen Meister mithalten können. Mehr noch: Nachdem Jaspers in der 24. Minute seinen zweiten Treffer erzielt hatte, schoss Michael Hackert nur 49 Sekunden später sogar die 4:2-Führung für Mannheim.

Im letzten Drittel sind die Eisbären klar überlegen

Die Dominanz der Berliner war dahin - dachten viele. Nur die Mannschaft selbst offenbar nicht. Brandon Smith gab mit seinem Anschlusstreffer noch vor der zweiten Drittelpause den Auftakt zu einer beeindruckenden Aufholjagd der Eisbären. „Sein Tor hat uns einen enormen Schub gegeben“, sagte Trainer Don Jackson.  „Wir haben danach gezeigt, wozu wir in der Lage sind.“ Zuerst nutzte Deron Quint im Schlussdrittel ein Gewusel vor dem Adler-Tor zum 4:4, danach blieb es seinem Abwehrkollegen Andy Roach vorbehalten, die kleine Finalfeier anzustimmen. Dass die Eisbären einen Zwei-Tore-Rückstand noch gedreht hatten, „zeugt von einer großen Charakterstärke und Moral der Mannschaft“, fand Sven Felski, der selbst für den partytechnischen Höhepunkt der Begegnung sorgte – aus Sicht der Berliner zumindest.

Als die Mannheimer ihren Torhüter zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis genommen hatten, bugsierte er den Puck ins verwaiste Tor und ließ das Berliner Team jubeln. Nur einer war mit seinen Gedanken schon einen Schritt weiter. „Wir müssen nun an das Finale denken“, sagte Don Jackson. Dennoch ließ sich selbst der sonst eher zurückhaltende Eisbären-Coach schließlich von der Feierlaune seiner Angestellten anstecken. Mit breitem Grinsen fügte er hinzu: „Aber erstmal brauche ich ein Bier.“

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