Deutsche Eislauf-Union : Das Gespenst gerufen

Der Kompromiss mit Trainer Ingo Steuer könnte die Deutsche Eislauf-Union in den Ruin treiben.

Frank Bachner[Oberstdorf]
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Die drei von der Eisbahn. Ingo Steuer (rechts) und sein Weltmeisterpaar sind der Eislauf-Union 250 000 Euro wert. Foto: ddp

21 Werbelogos stehen auf der Bande in der Eislaufhalle. Die Stadt Oberstdorf – weiß auf rotem Grund – ist auch vertreten. Gleich dreimal, aber sie profitiert ja auch von der deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaft. 9000 Übernachtungen wegen der Eiskünstler, die bis Sonntag da sind, das ist eine stattliche Zahl. Interessanter allerdings ist der Platz zwischen den Logos: beträchtliche leere Flächen, weiß wie der Schnee vor der Halle. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ha Probleme, ihre Titelkämpfe zu vermarkten. Insgesamt werben genau fünf Sponsoren auf der Bande, alle haben mehrere Logos. Wenigstens steht die DEU nicht mehr wie noch vor zwei Jahren kurz vor dem Konkurs. „Das Gespenst der Pleite ist nicht sichtbar“, sagt DEU-Vizepräsident Uwe Harnos. „Aber es kann jede Minute kommen, wenn man aufhört zu arbeiten.“

Es kommt, genau gesagt, Ende der Saison 2009/2010. Die DEU ist auf einem guten Weg, dann in Konkurs zu gehen. Die vermeintliche Einigung mit dem umstrittenen Trainer Ingo Steuer und den Paarlauf-Weltmeistern Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy verschafft dem Verband lediglich eine Galgenfrist. Denn die DEU hat sich unwiderruflich verpflichtet, dem Trio bis Frühjahr 2010 Sponsoreneinnahmen von 250 000 Euro zu verschaffen. Dann wäre der fast endlose Rechtsstreit um Trainergehalt und Prämien beendet. Außerdem verzichtet Steuer in dem Kompromiss auf weitere Prämien von rund 50 000 Euro, die ihm aus der Zeit vor seiner Enttarnung als Stasispitzel zustehen.

Für die DEU beginnt das Problem allerdings, wenn sie die 250 000 Euro nicht auftreiben kann. „Dann verlangen wir nicht bloß diese Summe, sondern auch die 50 000 Euro an Prämien“, sagt Karla Vogt-Röller, die Anwältin des Trios. „Ich kann das Geld im Frühjahr 2010 sofort einziehen lassen.“ Eine nette Vorstellung: Der Gerichtsvollzieher pfändet in der DEU-Geschäftsstelle Computer und alles andere, was sich zu Geld machen lässt. Harnos hat der Anwältin schon mal erklärt, was passiert, wenn sie die gesamte Summe fordert: „Dann sind wir pleite.“ Aber das wäre die DEU vermutlich auch schon, wenn sie bloß die 250 000 Euro selber bezahlen müsste, um wenigstens die Zusatzforderungen abzuwehren.

Nur, wo sollen 250 000 Euro Sponsorengelder herkommen? In der internationalen Szene haben nur eine Handvoll Athleten hoch dotierte Verträge, darunter die Weltmeisterinnen von 2007 beziehungsweise 2008, Miki Ando und Mao Asado. Aber die leben im Eiskunstlauf-verrückten Japan und sind nicht ständig wegen eines umstrittenen Trainers und einer Flut von Gerichtsentscheidungen in den Schlagzeilen.

Die DEU schlug vor kurzem vor, Sawtschenko und Szolkowy sollten in einem Münchner Schicki-Micki-Modeladen mal nett plaudern. Das bringe eine nette Einnahme. Aber so etwas läuft nicht mit Steuer und seinen Weltmeistern – sie lehnten dankend ab. Sie akzeptieren nur Verträge, die in den Trainingsplan passen, teilten sie der DEU mit. Mal eine Autogrammstunde, das ist noch okay. Aber Steuer sagte Auftritte an diesem Wochenende im „Aktuellen Sportstudio“ in Mainz sowie bei der Sportlerwahl in Baden-Baden ab. „Sie machen kein Fallschirmspringen und auch keinen Table-Dance, nur damit Geld reinkommt“, sagt ihre Anwältin.

Andererseits ist die Aussicht, dass ihre Klienten – so oder so – keinen Cent erhalten, enorm groß, Das weiß auch die Anwältin. „Aber ob sie jetzt kein Geld bekommen oder erst später, ist grundsätzlich egal“, sagt sie. „Doch jetzt besteht noch die Chance, dass die DEU Geld auftreibt.“

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