Deutsche Frauen : Als Mannschaft unschlagbar

Die deutschen Frauen besiegen Brasilien dank ihres Kampfgeistes und einer tollen Torhüterin mit 2:0. Mit dem DFB-Team hat erstmals ein Weltmeister seinen Titel verteidigt - und das ohne ein Gegentor.

Frank Hollmann[Schanghai]
Deutsche Frauen
"Jetzt ist alles nur schön": Die deutschen Frauen freuen sich über den zweiten WM-Titel. -Foto: ddp

Im Goldregen und begleitet von einem spektakulären Feuerwerk streckte Mannschaftskapitänin Birgit Prinz den WM-Pokal in den Nachthimmel von Schanghai. Zuvor hatten sich die deutschen Frauen am Sonntag in einem dramatischen und hochklassigen Endspiel mit 2:0 (0:0) gegen Brasilien durchgesetzt und zum zweiten Mal den Weltmeistertitel gewonnen. „Wir waren alle heiß auf dieses Finale“, sagte Torfrau Nadine Angerer, die mit einem gehaltenen Elfmeter entscheidenden Anteil am Sieg hatte. „Jetzt ist alles nur schön.“

Schon Minuten vor dem Abpfiff hatten sich die deutschen Ersatzspielerinnen die deutsche Fahne um die Schultern gehängt. Simone Laudehrs Kopfballtreffer nach Renate Lingors Ecke in der 86. Minute hatte eine Begegnung entschieden, die in Sachen Tempo, Dynamik und Technik neue Maßstäbe im Frauenfußball setzte. Das 1:0 hatte Birgit Prinz kurz nach der Pause mit einem Schuss aus Nahdistanz erzielt.

Mit dem deutschen Team hat erstmals ein Weltmeister seinen Titel verteidigen können – und das ohne ein einziges Gegentor. Dabei hatten die erwartet spielstarken und technisch brillanten Brasilianerinnen alles versucht, das zu verhindern. Doch als Mitte der zweiten Halbzeit selbst Weltfußballerin Marta vom Elfmeterpunkt und kurz danach Daniela mit einem auf den Winkel gezogenen Freistoß Nadine Angerer nicht bezwingen konnten, war die Heldin dieses Finales von Schanghai geboren. Nach dem gehaltenen Elfmeter habe sie sich „schon ein wenig entspannter gefühlt“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid (siehe Interview rechts). Wie schon im gesamten Turnier zuvor war die Torfrau von Turbine Potsdam zur Stelle, als es auf sie ankam. Und wenn sie sich einmal nicht lang genug strecken konnte, wie bei Danielas 18-Meter-Volleyschuss an den Pfosten, hatte sie das nötige Glück.

Bereits in diesem ersten Durchgang hatten die Brasilianerinnen die Deutschen in die eigene Abwehr gedrückt wie noch kein Team zuvor bei dieser WM. Doch wie schon in den Spielen zuvor verloren die Verteidigerinnen Annike Krahn und Ariane Hingst selbst unter Dauerbelastung nur selten die Übersicht. Ohne Auswechslung, aber dennoch wie verwandelt kamen die deutschen Frauen aus der Kabine. Im Mittelfeld wurde noch enger gepresst, Bresonik und Behringer trieben den Ball über die Flügel – prompt öffneten sich Räume. Das nutzte Birgit Prinz nach 52 Minuten zu ihrem fünften Turniertor. Ihr Flachschuss nach Vorbereitung von Kerstin Stegemann und Sandra Smisek erwischte Brasiliens Torhüterin Andreia auf dem falschen Fuß.

Brasilien fand zwar schnell in seinen Angriffswirbel zurück. Doch das seit dem Viertelfinale gegen Nordkorea von Bundestrainerin Silvia Neid verordnete Pressing zeigte auch gegen die Südamerikanerinnen Wirkung. Letztlich siegte die beste Mannschaft über die besten Einzelspielerinnen, die deutsche Geschlossenheit setzte sich gegen den brasilianischen Spielwitz durch.

Diese Qualitäten hatten die Frauen von Bundestrainerin Silvia Neid während der gesamten drei Turnierwochen in China gezeigt. Nur kurzzeitig, beim 0:0 im zweiten Vorrundenspiel gegen England, hatten sie die Entschlossenheit vermissen lassen, mit der sie nun im Finale auch Brasilien niederkämpften. Doch spätestens als die Deutschen im Viertelfinale den Geheimfavoriten Nordkorea mit 3:0 ausgeschaltet hatten, glaubte auch der zuvor skeptische DFB-Präsident Theo Zwanziger an eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Gelungen ist das Bundestrainerin Neid mit einer Mannschaft, die sich „eigentlich im Umbruch befindet“ (Zwanziger). Doch gerade die Jungen im Team wie Simone Laudehr im zentralen Mittelfeld, Annike Krahn in der Innenverteidigung oder die mehrfach als Joker gebrachte Fatmire Bajramaj behaupteten sich an der Seite der Routiniers wie Birgit Prinz, Reanate Lingor oder Kerstin Stegemann, als hätten sie schon 50 Länderspiele hinter sich. Mit dieser stimmigen Mischung aus jungen und alten Spielern werden die deutschen Frauen im kommenden Jahr nach China zurückkehren, als nun großer Favorit auf die Goldmedaille beim olympischen Fußballturnier.

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