Deutsche Fußballerinnen bei der EM : Bundestrainerin Neid setzt auf Talente

Bundestrainerin Silvia Neid setzt bei der EM auf Talente wie Lena Lotzen und Melanie Leupolz. Und die zahlten das Vertrauen gegen Island mit Leistung zurück.

Gregor Derichs
Dehnen für Deutschland. Melanie Leupolz überzeugte gegen Island.
Dehnen für Deutschland. Melanie Leupolz überzeugte gegen Island.Foto: dpa

Auf der Treppe vor dem Hotel Elite Park saßen Kim Kulig und Sandra Smisek. Das Wohnmobil, mit dem sie aus Deutschland angereist waren, hatten sie im Parkverbot vor dem deutschen Teamquartier in Växjö abgestellt. Kim Kulig, die mit einem Kreuzbandriss kürzlich aus der Bahn geworfene Europameisterin von 2009, und Sandra Smisek, die zurückgetretene Weltmeisterin von 2007, erwarteten die Rückkehr der Spielerinnen vom Trainingsplatz.

„Das ist klasse, wie ihr das macht“, lobte Smisek ihre Nachfolgerinnen. Gemeint waren nach dem 3:0 gegen Island bei der Europameisterschaft in Schweden in diesem Moment vor allem die ganz jungen Nationalspielerinnen, die eigentlich noch in den Junioren-Teams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) spielen könnten. Lena Lotzen (Bayern München), 19 Jahre jung, löste gegen die Isländerinnen mit ihrem ersten Länderspieltor zum wichtigen 1:0 den mentalen Knoten bei den deutschen Frauen, mit der sich die durch das 0:0 gegen Holland entstandene Verunsicherung auflöste. Melanie Leupolz (SC Freiburg), die erst im April ihren 19. Geburtstag feierte, verdrängte Welt- und Europameisterin Anja Mittag (28) aus der Stammelf und bot bei ihrem ersten Einsatz von Beginn an eine Topleistung.

Im offensiven Mittelfeld ergänzte die 21-jährige Dzsenifer Marozsan (Frankfurt) die beiden 19-Jährigen. Auf den Außenverteidigerpositionen standen mit Leonie Maier (Bayern München) und Jennifer Cramer (Potsdam) zwei 20-Jährige.

„Mein Handy war voll mit Nachrichten. Viele haben mir gesagt, dass sie überwältigt waren“, sagte Melanie Leupolz nach dem lockeren Regenerationslauf am Morgen. Was auf sie einprasselt, beeindruckt die aus Wangen im Allgäu stammende Mittelfeldspielerin. „Es macht Spaß, dass das Interesse von den Medien und den Zuschauern so groß ist. Das war noch anders in den U-Mannschaften“, sagte die Kapitänin der U-19-Juniorinnen, die im vorigen Jahr in Japan Vize-Weltmeister wurden. Leupolz ist das beste Beispiel für den Werdegang der jungen Generation, die die Weltmeisterinnen von 2007 aus dem Team verdrängen.

„Es ist unglaublich, dass ich hier bin. Als vor zwei Jahren die WM stattfand, hätte ich mir das niemals vorstellen können“, erklärte die Schwäbin. „Ich bin auf die Idee gekommen, sie einzusetzen, weil sie sehr gut trainiert und schon in der U 19 und U 20 auf der Außenbahn gespielt hat“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Am gestrigen Montag wurde Leupolz vom DFB in der Kategorie „U-17-Juniorinnen“ mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet.

Lira Bajramaj, bei der WM 2011 noch als die Starspielerin der DFB-Frauen gefeiert, ist zusammen mit Lionel Messi das Vorbild für Leupolz. Wie die Ex-Freiburgerin Melanie Behringer (27) und Simone Laudehr (27) gehört sie zu den etwas älteren Spielerinnen, die durch die junge Generation aus der Stammelf verdrängt wurden. Beim WM-Triumph 2007 war das Frankfurter Trio so jung wie die nun nachdrängenden Talente. So titelhungrig wie sie damals ist nun Neids neuer Nachwuchs.

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