Sport : Deutsche Glamourlosigkeit

Markus Hesselmann

Er fühle sich manchmal wie der „Wärter von Jurassic Park“, hat Jorge Valdano in seiner Zeit als Sportdirektor bei Real Madrid einmal gesagt. Er meinte damit, dass sein Klub in Zeiten des globalen Sportmarketings auch ein Hollywood-Unternehmen und nicht nur ein Fußballverein sein müsse. Jetzt erlangt Valdanos Wort aus einem anderen Grund späte Wahrheit: Die Stars von Real Madrid, die Beckham, Ronaldo, Zidane – von jenem Valdano einst als „Galaktische“ gepriesen – wirken wie lebende Fossilien, wenn sie sich in diesen Tagen wieder einmal von irgendwelchen Vorstadtteams erniedrigen lassen. Dem königlichen Klub ist es nicht gelungen, über das Zusammenkaufen von Weltstars hinaus sein Team gezielt zu verstärken und durchdacht weiterzuentwickeln. Sportdirektor Valdano hielt diesen Versteinerungsprozess nicht auf. Er wurde entlassen. Jetzt ist auch Trainer Vanderlei Luxemburgo seinen Job los.

Der Schriftsteller und Real-Madrid- Fan Javier Marias hielt Jupp Heynckes, der mit Real Madrid 1998 immerhin die Champions League gewann, für „nicht unbedingt hellsichtig“, aber für einen „ehrbaren Mann“, weil er sich konsequent auf das Wesentliche konzentrierte, das Spiel. Es muss ja nicht gleich wieder Heynckes sein, aber ein bisschen deutsche Glamourlosigkeit könnte Real Madrid jetzt durchaus gut tun. Ottmar Hitzfeld etwa – und der bringt dann Michael Ballack mit. Der Sachse ist einer der besten Fußballer der Welt, aber weder glamourös noch galaktisch. Genau der Richtige für Real Madrid.

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