Deutsche Handball-Nationalmannschaft : An guten Tagen wieder Weltspitze

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich in einer unangenehmen Gruppe vorzeitig für die EM 2016 qualifiziert. Ein Fortschritt, denn zuletzt war das mit der Teilnahme immer so eine Sache gewesen. Ein Kommentar.

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Patrick Wiencek ist wichtiger Bestandteil der neuformierten Mannschaft, die derzeit an guten Tagen wieder zur Weltspitze gehört.
Patrick Wiencek ist wichtiger Bestandteil der neuformierten Mannschaft, die derzeit an guten Tagen wieder zur Weltspitze gehört.Foto: dpa

Das Ergebnis im vorletzten Gruppenspiel sagte alles: 34:20! Okay, es war nur Außenseiter Finnland, kein klassisches Handball-Land also. Trotzdem: So souverän wie am Mittwoch hat sich die deutsche Nationalmannschaft schon lange nicht mehr für ein Turnier, in diesem Fall die EM 2016 in Polen, qualifiziert. Zuletzt war das mit der Teilnahme immer so eine Sache gewesen. Olympia 2012: verpasst. EM 2014: verpasst. Bei der WM in Katar half der Weltverband mit einer umstrittenen Wildcard nach. Später verlief das Turnier für die Deutschen zwar erfolgreich, Rang sieben genügte dem neuformierten Team für die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren für Olympia 2016. Irgendwie schwebte aber über allem der böse Verdacht der Begünstigung.

Um solche Probleme werden sie sich vor der EM nicht sorgen müssen beim Deutschen Handball-Bund (DHB), ebenso wenig um die sportlichen Chancen. Die Nationalmannschaft hat in der Qualifikation den Eindruck bestätigt, den sie in Katar hinterlassen hatte: dass sie an guten Tagen wieder zur Weltspitze gehört. In einer Gruppe mit Konfliktpotenzial (Spanien, Österreich, Finnland) qualifizierte man sich vorzeitig. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass die Österreicher längst kein Handball-Entwicklungsland mehr sind. In der abgelaufenen Bundesliga-Saison ging die Auszeichnung für den besten Torjäger an Robert Weber, einen Österreicher. Sein Landsmann Raul Santos belegte Rang zwei.

Es ist bemerkenswert, mit welcher Selbstsicherheit Bundestrainer Dagur Sigurdsson seinen Kader zum Turnier nach Polen geführt hat – obwohl er im Hauptberuf noch als Trainer der Füchse Berlin gearbeitet hat, obwohl er in zehn Monaten Amtszeit mehr als 30 Spieler zu Lehrgängen eingeladen, getestet und zum Teil wieder nach Hause geschickt hat. Was soll das jetzt erst werden, da Sigurdsson ausschließlich als Bundestrainer arbeiten darf? Die Aussichten für die EM in Polen, sie könnten schlechter sein.

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