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Deutsche Handballer erreichen Achtelfinale : Finaler Stresstest

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewinnt bei der WM in Katar gegen chaotisch verteidigende Argentinier 28:23 (13:14) und steht bereits vor dem letzten Gruppenspiel am Sonnabend sicher im Achtelfinale.

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Erneut in Bestform: Steffen Weinhold (l-r), Patrick Wiencek und Paul Drux.
Erneut in Bestform: Steffen Weinhold (l-r), Patrick Wiencek und Paul Drux.Foto: dpa

Kurz vor dem Ende geriet doch nochmal einiges durcheinander, aber das lag ausschließlich an der taktischen Ausrichtung des Gegners. In ihrem vierten Vorrundenspiel bei der Handball-WM in Katar sah sich die deutsche Nationalmannschaft in der Schlussphase mit einer Variante konfrontiert, zu der erfahrungsgemäß verzweifelte Teams greifen, die einen hohen Rückstand aufholen müssen: der offenen Manndeckung. Da war das Chaos kurzzeitig mal System.

Von dieser Szene abgesehen verlief der Donnerstagabend in der Lusail-Mehrzweckhalle von Doha allerdings genau so, wie es sich die Deutschen idealerweise vorgestellt hatten: Nach dem 28:23 (13:14) über Argentinien steht das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson sicher im Achtelfinale. Mit einem Sieg gegen Saudi-Arabien am Samstag (17 Uhr) können die Deutschen zudem den Gruppensieg perfekt machen. Unter dieser Voraussetzung würden sie in der am Sonntag beginnenden K.-o-Runde auf den Vierten der Gruppe C treffen. „Es war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Sigurdsson, „man hat gemerkt, dass wir drei schwere Spiele binnen kürzester Zeit in den Knochen hatten.“

Zwei Tage nach dem Remis gegen Turnierfavorit Dänemark (30:30) entschied sich der Isländer erneut dafür, Carsten Lichtlein und nicht Silvio Heinevetter im Tor beginnen zu lassen – eine Wahl, die sich auszahlen sollte. Der Keeper vom VfL Gummersbach sorgte in der ersten Halbzeit mit zahlreichen Paraden dafür, dass sich die Argentinier nicht absetzen konnten. In anderen Mannschaftsteilen hatten die Deutschen dagegen so ihre Probleme: In Folge zweier früher Zeitstrafen stand Steffen Weinhold bereits nach einer Viertelstunde vor einem Platzverweis und musste präventiv vom Feld. Damit fehlte Sigurdsson vorerst nicht nur die im bisherigen Turnierverlauf stärkste Waffe seines Teams, sondern auch ein individuell herausragender Akteur, der die ultraoffensive Deckung der Argentinier hätte auseinanderziehen können.

Sigurdsson nimmt noch keine Glückwünsche entgegen

Ach ja, die gegnerische Deckung. „Die haben so unkonventionell gespielt“, sagte Weinhold, „da haben wir uns ganz schön aufgerieben.“ Zudem ließ sich das litauische Schiedsrichtergespann von den Schauspieleinlagen täuschen, mit denen die Argentinier bereits vorher negativ aufgefallen waren. „Wir haben versucht, uns nicht davon beeindrucken zu lassen. Aber das ist uns in der ersten Halbzeit nicht sehr gut gelungen“, sagte Weinhold. Zur Pause führten die Südamerikaner dank eines starken Schlussspurts mit 14:13.

In der zweiten Halbzeit passierte schließlich genau das, was den Argentiniern immer wieder passiert bei großen Turnieren und worauf die Deutschen auch ein wenig spekuliert hatten: wegen fehlender Alternativen auf der Wechselbank schwanden die Kräfte. In dieser Phase taten sich offensiv vor allem Patrick Groetzki und Martin Strobel mit wichtigen Treffern hervor. Nach 51 Minuten betrug der Vorsprung des deutschen Teams zum ersten Mal drei Tore (24:21). „Bis dahin haben die Argentinier uns ganz schön genervt, aber mit dem Zwischenspurt haben wir sie ruhig gestellt, das war die entscheidende Phase“, sagte Groetzki, der mit sieben Treffern auch bester deutscher Werfer der Partie vor Martin Strobel und Patrick Wiencek (beide fünf) war.

„Noch nehme ich die Glückwünsche zum Gruppensieg nicht an“, sagte der Bundestrainer, „aber in zwei Tagen könnt ihr mir damit ankommen.“ Nach den bisherigen Eindrücken geht es dann nur darum, wie hoch das deutsche Team gewinnt. Saudi-Arabien belegt nach vier Spielen mit null Punkten und einem Torverhältnis von 68:129 abgeschlagen den letzten Platz der Gruppe C. „Es ist, glaube ich, für uns ganz gut, wenn wir in einem Spiel mal nicht 60 Minuten zittern müssen“, sagte Patrick Groetzki und verschwand in die Kabine.

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