Deutsche Kombinierer und Skispringer holen WM-Gold : Kitschig und schön

Die deutschen Kombinierer haben erstmals seit 28 Jahren Team-Gold bei einer WM gewonnen. Dem Skisprungteam gelang ein ähnlicher Erfolg: Es gewann erstmals in der Geschichte den Mixed-Wettbewerb.

Lars Becker
Revanche für Sotschi geglückt: In Falun ließen die deutschen Kombinierer das norwegische Team hinter sich und holten WM-Gold. Foto: rtr
Revanche für Sotschi geglückt: In Falun ließen die deutschen Kombinierer das norwegische Team hinter sich und holten WM-Gold.Foto: rtr

Johannes Rydzek hatte sogar noch Zeit, sich ein kleines deutsches Fähnchen zu schnappen. Dann fiel er nach der ersten Team-Goldmedaille für die deutschen Kombinierer bei einer Nordischen Ski-WM seit 28 Jahren seinen im Zielraum wartenden Teamkollegen in die Arme. Zwei Stunden später wurde es beim Mixed-Skispringen in Falun viel knapper für das deutsche Quartett. Nach dem finalen Sprung blickte Severin Freund gebannt zur Anzeigetafel, ehe dort die „1“ aufleuchtete und bereits die vierte deutsche Goldmedaille dieser Titelkämpfe perfekt war. Mit einem Mini-Vorsprung von 2,3 Punkten vor Norwegen. Es war die finale Krönung eines Wochenendes, an dem Severin Freund im Einzelspringen am Samstag die Goldmedaille nur um 0,4 Punkte verpasst hatte.
„Viermal Gold in der ersten Woche. Das ist einfach Wahnsinn“, sagte Kombinierer-Bundestrainer Hermann Weinbuch und nannte auch gleich den Grund für den Erfolg: „Das deutsche Team funktioniert hier wie eine Familie.“ Eine Familie, die auf Rekordkurs ist. Bei der WM 1974 in Falun hatte das DDR-Team als einzige deutsche Mannschaft der Geschichte mit fünfmal Gold die Medaillenwertung einer Nordischen Ski-WM gewonnen. Diese Titelzahl könnte mit Blick auf die zweite WM-Woche diesmal sogar noch übertroffen werden, nachdem sich der Sonntag wie eine glatte Kopie des Freitags ablief. 48 Stunden zuvor hatte Rydzek erst Einzel-Gold bei den Kombinierern gewonnen und anschließend Carina Vogt den Titel bei den Skispringerinnen.
Die bislang emotionalsten Momente der gesamten Titelkämpfe in Schweden lieferten an diesem Sonntag die Kombinierer. Oben am letzten Anstieg vor dem Stadion stand Chefcoach Weinbuch in der goldenen Abendsonne. Mit Tränen in den Augen. 1987 hatte er in Oberstdorf selbst im letzten deutschen Kombinierer-Team gestanden, dass einen Weltmeistertitel gewonnen hatte. „Endlich. Nach so vielen Jahren haben wir uns das mehr als verdient. Das war taktisch einfach weltmeisterlich“, sagte Weinbuch.
Im Zielraum brüllte Doppel-Weltmeister Rydzek seine Freude heraus: „Es war so kitschig und schön – im Sonnenuntergang und mit der deutschen Fahne als Weltmeister über die Ziellinie zu laufen.“ Sechsmal WM-Silber hatte es im Teamwettbewerb für Deutschland zwischen 2003 und 2011 gegeben, dazu zwischen 2002 und 2014 dreimal Silber bei Olympia. Doch an diesem Sonntag in Falun gab es endlich das langersehnte Gold. Das deutsche Team führte schon nach dem Springen, dann riss Startläufer Tino Edelmann in der Loipe eine kleine Lücke zu den Norwegern, die Eric Frenzel und Fabian Rießle verteidigten. Als Schlussläufer lief Rydzek dann dem Norweger Jörgen Graabak, der in Sotschi noch den Sprint um Gold gegen Deutschland gewonnen hatte, einfach davon. Der Rest war Jubel.


Genau wie beim Mixed-Skisprungteam mit Einzel-Weltmeisterin Vogt, Katharina Althaus, Richard Freitag und Freund, der erstmals in der WM-Geschichte den Wettbewerb für Deutschland entschied. „Gold und Silber für mich – das ist einfach ein perfektes Wochenende“, sagte Freund. Über die gesamte Distanz war der Wettbewerb ein Duell mit Norwegen. Freund behielt als Schlussspringer die Nerven und distanzierte Rune Velta. 24 Stunden zuvor war es noch genau umgekehrt gewesen: Um winzige 20 Zentimeter hatte er die Goldmedaille im Einzelwettbewerb von der Normalschanze gegen Velta verpasst. „Wir holen uns bei dieser WM den Lohn für viele Jahre Arbeit ab“, sagte Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster und kündigte an: „Wir wollen in der zweiten Woche mit Medaillen nachlegen.“

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