• Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm: David Storl macht im Kugelstoßen eine gute Figur

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm : David Storl macht im Kugelstoßen eine gute Figur

David Storl ist die große Attraktion im Kugelstoßen, bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathleten soll er auf dem Platz vor dem Ulmer Münster besonders in Szene gesetzt werden.

Reinhard Sogl
Schlanke Wucht. David Storl lebt von seiner Schnelligkeit, am Freitag könnte er als erster Deutscher seit 25 Jahren 22 Meter weit stoßen.
Schlanke Wucht. David Storl lebt von seiner Schnelligkeit, am Freitag könnte er als erster Deutscher seit 25 Jahren 22 Meter weit...Foto: Reuters

Für sein junges Alter ist David Storl schon ganz schön herumgekommen in der Welt. Ob die Ramblas in Barcelona, die Blaue Moschee in Istanbul, der Buckingham Palace in London, der Rote Platz in Moskau oder der Eiffelturm in Paris: Wann immer es die Zeit auf seinen Dienstreisen erlaubt, besichtigt der 23 Jahre junge Kugelstoßer die Sehenswürdigkeiten der Wettkampforte. An diesem Freitagabend kann der zweimalige Weltmeister aus Chemnitz die Pflicht mit der Kür verbinden. Als Auftaktdisziplin der deutschen Meisterschaften in Ulm findet das Kugelstoßen für Männer und Frauen auf dem Platz vor dem Münster statt. Ein Novum in der 114-jährigen Geschichte der deutschen Titelkämpfe.

Der mit 161,53 Metern höchste Kirchturm der Welt könnte sich als passende Kulisse für Historisches und Großes erweisen: Der erste Stoß eines Deutschen über die Marke von 22 Metern seit 25 Jahren und auch der erste unter strengen Dopingkontrollen. „Die 22 wären keine große Überraschung“, sagt jedenfalls Storls Trainer Sven Lang. Nur die früheren DDR-Muskelprotze Ulf Timmermann, Bestleistung 23,06 Meter aus dem Jahr 1988, und Udo Beyer (22,64/1986) haben aus Deutschland überhaupt die magische Marke übertroffen.

Sven Langs Optimismus hat gute Gründe. „David macht die beste Saison seines Lebens: Elf Wettkämpfe, elfmal über 21 Meter. Der Schnitt seiner fünf besten Wettkämpfe ist fast so hoch wie seine alte Bestleistung.“ Die lag bis zum Frühjahr bei 21,86 Metern, Storl hatte sie im Olympiafinale 2012 aufgestellt, als er Silber gewann. Vor einem Monat packte der angehende Polizist vier Zentimeter drauf, ehe er sich am vergangenen Sonntag in London bis auf drei Zentimeter den 22 Metern näherte. Und das, obwohl er wegen einer Reizung der Patella-Sehne auf das Umspringen von einem aufs andere Bein verzichtete. „Da können 30 bis 40 Zentimeter drinliegen. Ob David das auch gleich umsetzen kann, ist aber die Frage, denn er ist die Technik ja nicht mehr so gewohnt“, sagt Sven Lang. In Ulm werde Storl wohl bei den letzten Versuchen umspringen.

In London stieß Storl die Kugel zuletzt auf 21,97 Meter

Auf den Zusatzschub hatte der Europameister in London auf dem Platz der Horse Guards Parade noch verzichtet. Nicht nur wegen der Bestweite sagt Storl: „Das war ein großartiger Wettkampf.“ Er hatte sich auch von der Location inspirieren lassen. Der Sachse liebt es, wenn das Publikum nah dran ist wie immer häufiger in seiner Disziplin, die sich leicht als zirzensisches Spektakel inszenieren lässt: auf Marktplätzen, in Schlosshöfen, an Bahngleisen, sogar unter Tage oder wie jetzt vor dem Ulmer Münster, wo eine Tribüne für 1500 Zuschauer installiert wird. Auch seine Trainingspartnerin, Vize-Weltmeisterin Christina Schwanitz, gibt zu: „Das macht mehr Spaß als im Stadion.“

Dass es Kugelstoßen in Deutschland zur großen Nummer gebracht hat, liegt aber auch und gerade an David Storl. Der Mann macht buchstäblich eine gute Figur. Er wirkt mit seinem athletischen Körper eher wie ein Mehrkämpfer denn als Mann, der Eisen durch die Luft katapultiert. Seine Stärke ist mehr denn je seine Schnelligkeit. Es fällt nicht ins Gewicht, dass er „nur“ 122 Kilo auf die Waage bringt. 2013 hatte Storl die angestrebten sechs Kilo mehr auf den Rippen, „allerdings war dann das eine oder andere Gramm an der falschen Stelle“, sagt Lang. In diesem Jahr habe sein Schützling „passive Masse“ verloren. „Er hat wochenlang auf Kohlehydrate verzichtet und sehr eiweißhaltig gegessen.“ Wie so ein Mahl aussieht, ist auf Storls Facebook-Seite zu bestaunen. Unter dem Titel „Vor einem guten Wettkampf muss gut gegessen werden“ postete Storl ein Foto, das einen Grill zeigt mit vier dicken Steaks.

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