Deutsche Meisterschaft : Wie die BR Volleys nach ihrem Sieg die Zukunft planen

Die BR Volleys haben in Friedrichshafen die dritte Meisterschaft in Folge gewonnen. Nach der Saisonabschlussfeier wird Trainer Lebedew das Konzept für die neue Saison einreichen. Ein Punkt ist die Verjüngung der Mannschaft.

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Feier in der Fremde. Wie schon im letzten Jahr gewannen die Volleys ihren Titel in Friedrichshafen. Foto: dpa
Feier in der Fremde. Wie schon im letzten Jahr gewannen die Volleys ihren Titel in Friedrichshafen.Foto: dpa

Am nächsten Morgen hat sich Kaweh Niroomand in Berlin gleich wieder an den Schreibtisch gesetzt. Telefonkonferenzen, Post öffnen und beantworten. Immerhin ist er in leitender Funktion bei einem Software-Unternehmen tätig. Dazu kamen zahlreiche Interviews. Denn Niroomand ist auch Manager eines sehr erfolgreichen Volleyball-Unternehmens.

Die BR Volleys hatten am Vorabend in Friedrichshafen die dritte Meisterschaft in Folge gewonnen. Es folgte eine durchgefeierte Nacht ohne viel Schlaf. „Das wird nicht zur Routine“, sagte Niroomand, hörbar gerädert. „Meister kann man gar nicht oft genug werden."

Nach Spielschluss hatten die Berliner, auch zum dritten Mal in Folge, in fremder Halle mit Bier, Sekt und Meisterschale angestoßen. Auch Niroomand hatte sich anstecken lassen und sich am Spielfeldrand obenrum frei gemacht, um das blütenweiße Hemd gegen das orange Meistershirt zu tauschen. „Das war ein teures Hemd, das wollte ich nicht versauen.“

Besuch beim Regierenden Bürgermeister

Danach saßen die Volleys noch lange in einer Pizzeria zusammen, zum Rückflug um 6.15 Uhr morgens liefen die meisten das kurze Stück zum Flugfeld, ohne eine Sekunde die Augen geschlossen zu haben. Nach der Landung gegen 8.30 Uhr setzten sich Mannschaft und Betreuer zu einem gemeinsamen Frühstück zusammen, den verdienten Schlaf fanden die meisten erst gegen Mittag.

Am Freitag dürfen sie sich im Roten Rathaus beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ins Goldene Buch eintragen. Am Sonntag folgt die offizielle Saisonabschlussfeier statt eines möglichen fünften Finales, das nach dem Sieg in Friedrichshafen gar nicht mehr nötig ist.

Das war gar nicht so einfach, fand Niroomand. „Bei den ersten beiden Titeln haben wir überrascht“, sagte er, „diesmal war es ernster, wir waren der Gejagte.“ Diesen Druck meisterten die Volleys souverän, bis in die Finalserie hinein verloren sie nur drei Bundesligaspiele und revanchierten sich am Ende für das verlorene Pokalfinale gegen den VfB. Der entscheidende Faktor im Finale sei die mannschaftliche Geschlossenheit gewesen, fand der Manager. „Das war unser Trumpf, auch unter Druck hat ein Zahnrad ins andere gegriffen.“

Das Konzept für die neue Saison

Dass diese Maschine weiter funktioniert und keines der Zahnräder rostet, ist nun die größte Aufgabe der Volleys für die Zukunft. Niroomand hat Trainer Mark Lebedew den Auftrag mitgegeben, in den nächsten Tagen ein Konzept für die neue Saison einzureichen: Wo liegen die Stärken, wo muss sich die Mannschaft verbessern, wer erfüllt die Voraussetzungen, wer nicht, wo sind neue Reize nötig und wo braucht es mehr Konkurrenzkampf im Team?

Die eingespielte Truppe ist in die Jahre gekommen, sieben der 13 Spieler sind über 30 Jahre alt. Schon vor dieser Saison hatte Niroomand über eine Verjüngung der Mannschaft nachgedacht, aber dies zunächst zurückgestellt, der Erfolg gab da recht. Dennoch weiß er: „Wir brauchen frisches Blut.“ Einen großen Umbruch wird es aber nicht geben. Von den Stammspielern verfügen Robert Kromm, Martin Krystof, Paul Carroll, Tomas Kmet und Scott Touzinsky über einen Vertrag für die neue Saison, bei Kawika Shoji kann eine Option gezogen werden. Doch ausgerechnet der jüngste Leistungsträger wird voraussichtlich den Verein verlassen: Srecko Lisinac überzeugte im ersten Jahr in Berlin als Mittelblocker, aber der 22-jährige Serbe ist nur von einem polnischen Spitzenverein ausgeliehen. „Wir müssen damit rechnen, dass sie ihn zurückfordern“, sagte Niroomand, der verhandeln will.

Trotzdem wollen die Volleys weiter Titel in Serie sammeln. „Klar, sonst hätte Bayern München längst aufhören müssen, Fußball zu spielen“, sagte Niroomand, auch wenn ihn das Gefälle der Volleys und Friedrichshafen zu den übrigen Klubs sorgt. „Wir müssen sehen, dass die Bundesliga wächst“, sagte der Volleyballvordenker. Denn die Liga wechseln werden die Berliner sicher nicht, sich aber auch nicht freiwillig schwächen. „Wir haben eigene Ambitionen, in der Champions League wollen wir eine Runde weiter kommen.“ Die Volleys werden sich jedenfalls nicht ausruhen. Außer gegen Mittag nach einer durchgefeierten Nacht.

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