Deutsche Meisterschaften : Großer Druck für deutsche Schwimmer

Paul Biedermanns sensationeller Europarekord ist immer noch Gesprächsthema. Wie sehr belastet diese Zeit im Hinblick auf die Deutschen Meisterschaften in Berlin?

Frank Bachner

Berlin - So ganz genau kann Dirk Lange diesen Rekord immer noch nicht erklären. Auch nicht gut eine Woche nach den 1:44,88 Minuten, nach dem sensationellen Europarekord von Paul Biedermann über 200 Meter Freistil. Biedermann, der 22-Jährige aus Halle an der Saale, war zuvor wochenlang krank gewesen, nur das ist geklärt. Aber eigentlich sind Dirk Lange, dem neuen Schwimm-Bundestrainer, die Gründe ziemlich egal. Biedermanns Psyche ist jetzt wichtiger. Wie sehr belastet diese Zeit im Hinblick auf die Deutschen Meisterschaften in Berlin? Die beginnen heute, und sie sind der einzige Qualifikationswettkampf für die WM in Rom. „Ich glaube, dass Paul mit dem Druck umgehen kann“, sagt Lange. Auch Biedermann muss in Berlin die Norm nochmal schwimmen. Aber die steht bei 1:46,58 Minuten.

Den größten Druck haben ganz andere Sportler. Denn die Normen sind enorm hoch. Auf 14 von 40 Strecken sind sie besser als der aktuelle deutsche Rekord. Entsprechend aufgestöhnt haben die Schwimmer. Lange stört das nicht weiter, er soll sein Team wieder in die Weltspitze führen, da macht er nur minimale Kompromisse. Ein Kompromiss ist eine Staffelung. Bei Sprintstrecken orientiert sich die Norm an Platz acht der bereinigten Weltrangliste, bei anderen Strecken an Platz 14. „Wir verlangen von einigen Leuten nicht, dass sie sich Knall auf Fall enorm verbessern“, sagt Lange. Dass sich Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen über 50 und 100 Meter Freistil qualifiziert, davon geht Lange sowieso aus. Das deutsche WM-Team, damit rechnet er, wird rund 15 Personen umfassen.

Und wenn er diverse Leistungen betrachtet, dann fühlt er sich in seiner harten Linie bestätigt. Druck erzeugt Leistung. Daniela Samulski verbesserte vor kurzem gleich vier Mal den Deutschen Rekord über 50 Meter Rücken (27,83), Norm klar unterboten. Kerstin Vogel verpasste die Norm über 50 Meter Brust nur um eine Hundertstelsekunde, auch die Berlinerin Dorothea Brandt hat die Richtzeit über 50 Meter Freistil nur knapp verpasst. Dabei hatte Brandt im Winter noch, nachdem sie die Normen registriert hatte, ihrem Trainer Norbert Warnatzsch stöhnend mitgeteilt: „Das schaffe ich nicht.“

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