Deutsche Meisterschaften in Berlin : Deutsche Schwimmerinnen kaum konkurrenzfähig

Im Gegensatz zu den Männern sind die deutschen Frauen im Schwimmen international weiterhin kaum konkurrenzfähig, eine WM-Medaille hält Diagnostik-Bundestrainer Frank Lamodke nicht für möglich.

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Nur national spitze. Franziska Hentke holte den Titel über 400 Meter Lagen.
Nur national spitze. Franziska Hentke holte den Titel über 400 Meter Lagen.Foto: dpa

Anders als in der Wirtschaft wird ein Gesetz kaum helfen. Während die Bundesregierung die Gleichberechtigung der Frauen mit einer Quote stärkt, ist eine ähnliche Angleichung im deutschen Schwimmen weder abzusehen noch durchsetzbar. Auch bei den nationalen Meisterschaften in der Berliner Schwimmhalle an der Landsberger Allee zeigt sich dieser Tage: Es gibt weiterhin eine beachtliche Gender Gap, die Frauen im deutschen Team bleiben leistungsmäßig vorerst das schwächere Geschlecht.

Schon bei der Heim-EM im vergangenen August hatte es keine deutsche Beckenschwimmerin aufs Podium geschafft, die Männer holten sechs Medaillen. Die Diskrepanz im Team war nicht zu übersehen – und hat sich anscheinend auch nicht verändert. „Die Lücke ist gleich groß geblieben“, sagt Frank Lamodke. Der 43-Jährige muss es wissen, er ist Bundestrainer Diagnostik, bei ihm laufen alle Ergebnisse ein. In Berlin müssen die Sportler den ersten Schritt in der Qualifikation für die WM im Sommer in Kasan (Russland) machen und die Zeiten bei einem weiteren Wettkampf bestätigen. Chef-Bundestrainer Henning Lambertz rechnet damit, dass am Ende rund 20 seiner Athleten die Normen für die WM erfüllen. Ausgeglichen wird der Kader aber nicht sein. „Es wird auf jeden Fall einen Männer-Überhang geben“, sagt Lamodke.

Während bei den Männern aktuell zehn Schwimmer im A-Kader des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) stehen, bilden nur drei Frauen – Dorothea Brand, Franziska Hentke und Lisa Graf – die höchste DSV-Fördergruppe. Laut Lamodke setzt sich der Rückstand der Frauen auch bei den Mädchen fort, etwa bei den Jugend-Europameisterschaften. „Wir hoffen aber, dass die Leute aus unserem Perspektivteam in die Fußstapfen der Etablierten treten“, sagt der Diagnostik-Bundestrainer und verweist als Beispiel auf die vielseitige Marlene Hüther, die in Berlin über fünf Einzelstrecken an den Start geht. Über 50 Meter Brust wurde die 16-Jährige am Freitagabend Sechste, die 31-jährige Brand verlor sowohl über diese Strecke als auch über 50 Meter Schmetterling ihre Meistertitel, wurde jeweils Zweite und verpasste die WM-Normzeiten. Brand konzentriert sich in diesem Jahr auf die 50 Meter Freistil.

Das Problem haben die Verantwortlichen beim DSV natürlich erkannt. Es zu beheben, braucht nach dem von Lambertz ausgerufenen Umbruch und den größeren Trainingsanstrengungen aber Zeit – zum Nachteil der Frauen. „Mädchen schwimmen in der internationalen Spitze immer schon zwei Jahre vor den Jungs“, sagt Frank Lamodke. Von einer Leistung wie der des 20-jährigen Jacob Heidtmann, der am Donnerstag Meister über 400 Meter Lagen wurde und sich mit 4:13,28 Minuten auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste schob, sind die Frauen weit entfernt. In den Weltranglisten spielt derzeit keine Deutsche eine nennenswerte Rolle. Für die Frage, ob denn eine deutsche Schwimmerin nach aktuellem Leistungsstand in Kasan in Reichweite einer WM-Medaille kommen wird, hat Diagnostik-Bundestrainer Frank Lamodke jedenfalls eine eindeutige Prognose parat: „Nein.“

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