Deutsche Meisterschaften : Steffen schwimmt erneut Weltrekord

Britta Steffen verbessert ihren eigenen Weltrekord über 100 Meter Freistil auf 52,56 Sekunden. Der alte Rekord hatte zwei Tage Bestand. Steffen hatte ihn im Vorlauf erzielt.

Frank Bachner
Schwimm-DM in Berlin - Britta Steffen
Schon wieder Weltrekord. Britta Steffen nach ihrem Sieg über 100 Meter Freistil.Foto: dpa

Berlin - Die letzten Züge taten verdammt weh, man sah es an den Armen. Die tauchten mühsamer ins Wasser ein, mühsamer als Sekunden zuvor. Das Getöse in der Halle, diese Mischung aus Schreien, Pfiffen und Trötenlärm, das alles hörte Britta Steffen nicht. Der letzte Zug, der Anschlag, Weltrekord. Britta Steffen von der SG Neukölln, Doppel-Olympiasiegerin von 2008, hatte gerade die Weltbestmarke über 100 Meter Freistil auf 52,56 Sekunden verbessert. Ihre Bestmarke, zwei Tage alt. Im Vorlauf hatte sie bei der Deutschen Schwimm-Meisterschaft in Berlin 52,85 Sekunden erzielt.

Natürlich hatte sie ihren neuen High-Tech-Anzug an, und dessen phänomenale Wasserlage kann jeder Laie sehen. Selbst Steffen registrierte verblüfft, wie hoch sie durchs Wasser pflügt. Auf youtube hatte sie ihren Vorlauf angeklickt, mit bemerkenswertem Ergebnis. „Ich habe auf Video zum ersten Mal bei einem Rennen von mir meinen Hintern gesehen.“

Also, welche Bedeutung hatte diesmal der komplett beschichtete Anzug für den Weltrekord? Vor zwei Tagen hatte sie noch erklärt: „Der Anzug hat diesen Weltrekord gemacht.“ Weil sie nur 90 Prozent gegeben hatte und nicht mal Schmerzen hatte. Jetzt klang sie erheblich zurückhaltender. Sicher, der Anzug, „aber man muss sehr gut schwimmen können, sonst nützt der Anzug auch nicht viel“, sagte sie. Die ganze Debatte um ihr Material, die sie selber befeuert hatte, kam ihr nun auf einmal etwas seltsam vor. „Ich hätte gedacht, dass die Leute wissen, dass man vor allem mit gutem Training schnell ist.“ Seltsam klang freilich jetzt eher diese plötzliche Zurückhaltung. Aber die, sagte Steffen, resultiere nur daraus, dass sich zu viele Leute allmählich fragten, ob denn der Anzug quasi alles allein erledige.

An Schmerzen jedenfalls mangelte es gestern nicht, die begannen schon nach 50 Metern. Das lag an Norbert Warnatzsch, dem Trainer. Geh’ schneller an als sonst, hatte er als Renntaktik vorgegeben. Also ging Steffen schnell an, so schnell, dass sie bei der Wende rund eine halbe Sekunde unter der Durchgangszeit des alten Weltrekords lag. „Vielleicht eine Zehntelsekunde zu schnell“, sagte Steffen nach dem Rennen. Sicher weiß sie nur, dass ihr bei dieser Taktik die Kraft zu einem Endspurt fehlt. Mit dem Endspurt hatte sie sich bei Olympia in Peking noch Gold gesichert. „Aber damals hatte ich auch ein Schweineglück.“ Doch weil Glück kein Faktor ist, mit dem man planen kann, sind die Zeiten vorbei, in denen Britta Steffen als Letzte wendete, um dann richtig aufzudrehen.

Heute schwimmt die 25-Jährige noch die 50 Meter Freistil. „Wenn ich unter 24 Sekunden bleiben würde, wäre das phantastisch“, sagte sie. Wenn sie nur einen Wimpernschlag unter 24 Sekunden bleibt, hat sie den Weltrekord. Der steht bei 23,96 Sekunden.

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