Sport : Deutsche Momente

Chelsea feiert Ballack und flirtet mit Klinsmann

James McFairchild[London]

Am Ende war es wie immer in dieser Saison: Chelsea spielte am Sonntag nur in Etappen richtig zwingend, Torwart Petr Cech hielt sein Team mit guten Paraden über Wasser und letztlich hatten die Blauen mal wieder mehr Kraft als der Gegner. Das mühsam erzielte 2:1 im Halbfinale des FA-Cups gegen die Blackburn Rovers ebnet den Weg zum großen Showdown gegen Manchester United im neuen Wembley. Neben Cech spielte vor allem Michael Ballack eine starke Partie.

Der Deutsche schoss den Siegtreffer in der Nachspielzeit und bereitete auch das 1:0 von Frank Lampard mit einem feinen Pass in die Tiefe vor. „Ballack hat sich erinnert, wieso er verpflichtet wurde“, schrieb die „Times“ mit einem Hauch von Sarkasmus. Der 30-Jährige hat bisher kaum überzeugt, rechtzeitig zum hektischen Saisonfinale kommt er jedoch in Schwung. Nach dem Gewinn des Ligapokals hechelt José Mourinhos Mannschaft weiterhin dem „Grand Slam“ hinterher, wie es Geschäftsführer Peter Kenyon ausdrückt: dem Triumph auch in Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Chelseas Hartnäckigkeit ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, wie zerstritten sich der Verein noch im Winter präsentierte. Der Wunsch von Mourinho nach neuen Verteidigern wurde damals nicht erhört, worauf sich der Portugiese mit Vereinsboss Roman Abramowitsch überwarf. Mitte Januar sprachen die Beiden ein letztes Mal miteinander, seitdem blühen in den englischen Medien die Spekulationen. Mourinho flirtete heftig mit Real Madrid und Inter Mailand, gab dann aber bekannt, bleiben zu wollen. Das hat wohl auch mit der Angst um die Abfindung zu tun, die bis zu 20 Millionen Euro wert sein könnte. Mittlerweile scheint Mourinho aber gewillt, in London weiter zu machen. Ob sich Abramowitsch umstimmen lässt, weiß niemand. Chelseas Auswärtssieg beim FC Valencia verpasste der Russe, angeblich wegen wichtiger Termine. In Wahrheit wurde er in einem Wellness-Hotel in Österreich gesichtet.

Ballacks Siegtor bejubelte der Öl-Milliardär aber im Stadion, er ging sogar nach drei Monaten zum ersten Mal wieder in die Kabine, um mit den Spielern zu feiern. Auf dem Weg traf er, wie es das Schicksal wollte, Mourinho. Man gratulierte sich gegenseitig, umarmte sich sogar. Gibt es noch eine Versöhnung? Mourinhos Ziel ist es, so viele Titel zu gewinnen, dass es dem Russen unmöglich wird, ihn zu feuern. Während Abramowitsch noch überlegt, versucht der Vorstand viele Alternativen zu sondieren. Mehrere Kandidaten wurden kontaktiert, am Donnerstag soll es in Los Angeles zu einem Gespräch mit Jürgen Klinsmann gekommen sein. „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen“, sagte Klinsmann dem Tagesspiegel auf Nachfrage. Das britische Boulevardblatt „Sun“ ist jedenfalls überzeugt, dass der Deutsche das Rennen macht – „falls Mourinho gehen sollte“.

Dies dürfte sich frühestens in drei Wochen nach dem FA-Pokalfinale entscheiden, und selbst im Falle einer Demission muss man zweifeln, ob Klinsmann nach London kommen würde. Neben seinem WM-Kapitän Ballack würde der 42-Jährige an der Stamford Bridge auch sehr komplizierte Strukturen vorfinden. Im Hintergrund reden sehr viele Männer Abramowitsch gut zu. Es gilt zudem als sicher, dass der Israeli Avraham Grant als Sportdirektor kommen wird. Ein Modell, das Klinsmann nicht als leitenden Trainer, sondern als Sportdirektor vorsieht, ist deshalb ebenfalls schwer denkbar. Sein Name wird nicht der letzte sein, der in diesem Zusammenhang fällt. Die Geschichte hat einen sehr langen Atem. Genau wie die Mannschaft.

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