Sport : Deutsche Nationalmannschaft: Der neue Mut des Rudi Völler

Oliver Trust

Vielleicht hat Rudi Völler der Gang durch die Ausbildungswerkstatt der Autobauer in Stuttgart vorbei an Feilen, Schrauben und den vielen Azubis inspiriert. Vor dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich hat der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft so etwas wie einen Aufbruch zu neuen Ufern eingeleitet. "Es werden in den nächsten Spielen einige aus der Generation der jungen Wilden auftauchen", kündigte Völler bei einer Pressekonferenz im Museum von DaimlerChrysler an. Die drei Neulinge Frank Rost (27), Torsten Frings (24, beide Bremen) und Miroslav Klose (22, Kaiserslautern) hat Völler bereits für das Spiel am kommenden Mittwoch in Paris nominiert. "Dieses Spiel gegen Frankreich ist mehr als ein Prestigeduell", sagt der Teamchef. "Frankreich, das ist das Maß aller Dinge im Fußball. Für jeden, der da spielen darf, ist das etwas Besonderes."

Der neue Mut des Rudi Völler, der zuvor in seinen bisher fünf Länderspielen mit Ingo Hertzsch vom Hamburger SV nur einen Neuling nominierte, hat "aber auch etwas mit den Ausfällen" und dem deutschen Sorgenkind, dem Angriff, zu tun. Mit Jens Nowotny (Bayer Leverkusen), Jens Lehmann (Borussia Dortmund), Alexander Zickler (Bayern München), Hertzsch (Hamburger SV) und den Berlinern Sebastian Deisler und Stefan Beinlich fallen gleich sechs Kandidaten verletzt oder krank aus. Herthas Marko Rehmer kehrt ebenso wie Marco Bode als Rekonvaleszent ins Aufgebot zurück.

Der Bremer Frings soll helfen, die Probleme auf der rechten Seite zu lösen. "Er ist sicher der überraschendste Neuling", sagt Völler. "Aber er hat maßgeblich zum Bremer Aufschwung beigetragen. Er hat zuletzt überragende Spiele in Bremen gemacht. Seine Berufung hat nicht nur etwas mit den Ausfällen zu tun." Das trifft schon eher für die Nominierung von Frank Rost zu. "Jens Lehmann wird, wenn er gesund ist, wieder dabei sein. Ich habe mit ihm telefoniert", sagte Völler. Rost aber habe sich "durch starke Spiele" aufgedrängt. Für den dritten Neuling, Miroslav Klose, ist die Berufung ins 20-köpfige Aufgebot "eine Belohnung. Er hat es sich einfach verdient. Er ist einer der jungen Wilden wie Sebastian Kehl oder Christian Timm, die wir bald sehen werden."

Dass Klose neben Oliver Bierhoff (AC Mailand) oder Carsten Jancker (Bayern München) stürmt, ist allerdings unwahrscheinlich. Für den Pfälzer ist die Reise nach Frankreich eher ein erster Schnupperkurs. Mehr als den bekommen Völlers Sorgenkinder Oliver Bierhoff (AC Mailand) und Carsten Jancker (Bayern München) vor dem ersten Länderspiel 2001 bei ihren Klubs ebenfalls nicht. "Bei solchen Vereinen sind mehr als zwei Topstürmer unter Vertrag", klagte Völler. An Jancker, der zuletzt eher durch Diskussionen um seine Frisur und der Entgleisung gegen Berti Vogts Schlagzeilen machte, "habe ich nie gezweifelt. Ich will ihn aggressiv. Er weiß, dass er einen großen Fehler gemacht hat, aber er hat sich bei Berti gleich entschuldigt". Jancker hatte Vogts im Bundesligaspiel der Münchner gegen Leverkusen schwer beleidigt.

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