Sport : Deutsche Nervenbündel

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Dreimal Zweiter, die Welt der Münchner Bayern liegt in Trümmern. Doch die Niederlage gegen Chelsea sollte ganz Fußball-Deutschland beunruhigen. Denn die Mär von den nervenstarken teutonischen Fußballern, die immer gewinnen, vor allem wenn es um alles geht, erweist sich als folkloristisches Schein-Paradigma ohne absoluten Wahrheitsgehalt.

Dass die Bayern fünf ihrer neun Champions-League-Finals respektive Landesmeister-Cup-Endspiele verloren haben, ist nur der Beginn einer Geschichte, die aus vielen Zahlen besteht und endlose Schrecken parat hält. Sechs Siegen deutscher Vereine in der Champions League und ihrem Vorgänger stehen neun Final-Niederlagen gegenüber, dem halben Dutzend an Europa-League- und Uefa-Cup-Titeln acht Pleiten. Sicher, mögen Kritiker einwenden, bei den Klubs mag die deutsche Nervenstärke vielleicht unterentwickelt sein, doch der Mythos, der von Gary Lineker mit dem Spruch von den 22 Fußballspielern und den am Ende stets siegreichen Deutschen ins Reich der Fußballwahrheiten gehoben wurde, sei ohnehin auf die Nationalmannschaft gemünzt. Doch nein! Deutschland ist sowohl Rekord-Vizeweltmeister als auch Rekord-Vizeeuropameister. Vier vergeigte WM-Endspiele bei drei Siegen, allein drei der letzten vier Finals gingen verloren. In der Rangliste verlorener EM-Endspiele liegt Deutschland vorne, gefolgt nur von Ländern, die es nicht mehr gibt, wie die Sowjetunion und Jugoslawien. Noch existierenden Staaten sei daher geraten, alte Mythen zu überdenken und keine Angst mehr vor den Deutschen zu haben. Wenn es am wichtigsten wird, dann siegen meistens die anderen. Und das sogar dahoam.

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