Sport : Deutsche nur noch Zaungäste

Gert Glaner

Auch Ali Ahaoui konnte nicht verhindern, dass die deutschen Boxer an den beiden Finaltagen der 10. Weltmeisterschaften im Amateur-Boxen in Houston nur noch Zaungäste sind. Der 20-jährige deutsche Vizemeister unterlag im Halbfinale dem Franzosen Willy Blain mit 6:10 nach Punkten und schied damit als letzter der zehn angetretenen deutschen Boxer aus. Die Bronzemedaille hatte er sich bereits mit dem Einzug ins Halbfinale gesichert. Zuvor hatte auch Schwergewichtler Steffen Kretschmann aus Glauzig Bronze gewonnen. Der 19-Jährige musste seinen Halbfinalkampf gegen den US-Amerikaner Michael Bennett eingangs der zweiten Runde wegen einer Handverletzung aufgeben. Mit nur zwei Medaillen fiel die deutsche Bilanz so schlecht aus wie zuletzt 1993 in Tampere, als es ebenfalls nur zwei Bronzemedaillen für den späteren Olympiazweiten Oktay Urkal und Andreas Otto gab.

Der letzte deutsche Hoffnungsträger versuchte zwar alles, um seine Bronzemedaille noch zu veredeln. Doch der ein Jahr ältere Franzose war physisch überlegen und ließdas den Wiesbadener immer wieder spüren. "Das Urteil geht in Ordnung. Ali hat eben noch Reserven in der Physis. Daran werden wir arbeiten", kündigte Chef-Bundestrainer Helmut Ranze (Worms) an. Auch Ahaoui sah seine Fehler ein. "Ich habe zu unkontrolliert geboxt und zu viele Konter eingefangen", haderte der Schützling von Heimtrainer Walter Fischer mit seiner Leistung.

Steffen Kretschmann hatte sich zuvor sehr unglücklich aus dem WM-Ring verabschiedet. "Ich wollte einen Aufwärtshaken anbringen. Dann kam der stechende Schmerz", schilderte er sein Pech. Kretschmann hatte den Kampf gegen den Amerikaner bis dahin durchaus im Griff und das große Ziel vor Augen. "In der dritten Runde wäre er gefallen", meinte der hochaufgeschossene Schwergewichtler. Er konnte sein Vorhaben allerdings nicht mehr umsetzen. "Die Hand ist nicht gebrochen. Es handelt sich um eine Verstauchung", sagte Physiotherapeut Peter Rechenberger, ehe Kretschmann zum Röntgen gefahren wurde.

Die Welt-Box-Nation Nummer eins, Kuba, brachte mit fünf Athleten wieder einmal die meisten in die Finals. Gastgeber USA ist vier Mal vertreten, Rumänien, Russland und Usbekistan je drei Mal. Rekord-Weltmeister Felix Savon aus Kuba steht vor seinem siebenten Titelgewinn in Folge.

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