Deutsche Olympia-Bilanz : Viele Abstürze und ein Dopingfall

27 Medaillen hatte sich die Olympiamannschaft vorgenommen. Doch die deutsche Bilanz fällt bei diesen Winterspielen ernüchternd aus. Im deutschen Sport stehen Abrechnungen und Umbrüche an.

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Tim Tscharnke stürzte im Teamsprint der Langläufer kurz vor dem Ziel. Der Deutsche war mit dem Finnen Sami Jauhojärvi (nicht im Bild) kollidiert und kam zu Fall. Eigentlich war Bronze für das deutsche Team schon sicher, doch...Weitere Bilder anzeigen
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19.02.2014 14:51Tim Tscharnke stürzte im Teamsprint der Langläufer kurz vor dem Ziel. Der Deutsche war mit dem Finnen Sami Jauhojärvi (nicht im...

Es war ein Moment, auf den sich Michael Vesper vor einer Woche noch gefreut haben mag. Denn zu jenem Zeitpunkt war für den Chef de Mission des deutschen Olympiateams in Sotschi noch alles in bester sportlicher Ordnung. Seine Mannschaft führte im inoffiziellen Medaillenspiegel; einen offiziellen gibt es ja nicht. Aber wie auch immer die Orden für sportliche Höchstleistung zusammengezählt werden, Deutschland schien auf Kurs, die von Vesper immer wieder nach unten korrigierte gewünschte Vorgabe an Medaillen erreichbar. 27 waren das zuletzt.

Nun aber musste Vesper am Sonnabend auf der Bilanz-Pressekonferenz zu den Winterspielen von Russland verkünden, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unzufrieden sei. Sehr sogar. Er flüchtete sich in eine Metapher aus einem Sommersport. „Die ersten elf Tage bei Olympia waren hervorragend, danach kam ich mir vor wie bei einem Fußballspiel, in dem man 4:0 führt und dann am Ende nur 4:4 spielt.“ Und noch eine Rote Karte mit sich anschließender Sperre kassiert, ließe sich ergänzen – durch den Dopingfall der Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle.

19 Medaillen hatten deutsche Wintersportler bis Samstag gewonnen, nachdem die Snowboarderinnen Anke Karstens und Amelie Kober die Statistik ein wenig freundlicher gefahren hatten, anschließend noch die Biathlon-Staffel. Im Medaillenspiegel liegt Deutschland hinter den Niederlanden. Nach den guten elf Tagen sei der „schwarze Mittwoch“ gekommen, sagte Vesper. An jenem Tag seien gleich sieben Chancen liegen gelassen worden.

Im Medaillenspiegel liegt sogar Holland vor Deutschland

In Erinnerung werden sicher die Bilder der Stürze bleiben: Stefan Luitz, der im Riesenslalom am letzten Tor hängenblieb. Langläufer Tim Tscharnke, der von einem Konkurrenten behindert und dadurch um die sicher geglaubte Medaille gebracht wurde oder die drei deutschen Nordischen Kombinierer Riessle, Rydzek und Kircheisen, die sich gegenseitig im Weg herumliefen und auch hier ein besseres Ergebnis verhinderten (siehe Fotostrecke unten).

All damit hatte niemand gerechnet. Und mit dem Fall Sachenbacher-Stehle erst recht nicht. Michael Vesper wirkte wenig glücklich, als er am Sonnabend darüber länger referieren musste als über nicht gewonnene Medaillen.

Und dann auch noch der Dopingfall Sachenbacher-Stehle

Die Biathletin wurde positiv auf Methylhexanamin getestet, das Stimulans soll in einem Nahrungsergänzungsmittel enthalten gewesen sein. Die Bayerin soll es von einem Mentaltrainer erhalten haben. Am Freitag war Sachenbacher-Stehle aus dem Team ausgeschlossen worden und dann aus Sotschi abgereist. Nun hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen eingeleitet, und zur Sicherung von Beweismitteln wurde der Bundesstützpunkt der Biathleten in Ruhpolding bereits durchsucht. Vesper sagte: „Es ist klar, dass das Umfeld untersucht werden muss.“ Es müsse herauskommen, „wer das Zeug besorgt hat und mit welchen Kenntnissen“.

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